Das Land der Vereine

Wenn sich sieben Deutsche treffen, gründen sie einen Verein. Was weltweit als typisch deutsche Lebensweise angesehen wird, hat natürlich einen wahren Kern. In keinem anderen Land ist die Vereinskultur so ausgeprägt, wie in Deutschland. Im Jahr 2017 lag die Gesamtmitgliederzahl aller deutschen Sportvereine bei 23,79 Millionen - und ist damit im vergangenen Jahrzehnt annähernd konstant geblieben.


Doch die Vereine verändern sich - oder vielmehr verändern sich die Ansprüche ihrer Mitglieder und die Vereine, die sich nicht darauf einstellen, verschwinden allmählich aus der deutschen Vereinslandschaft. So haben zum Beispiel viele Tennisvereine massive Probleme nach dem Boom in den 80er und 90er Jahren des letzten Jahrhunderts. Daneben trifft es vor allem kleinere Vereine mit einem ehrenamtlichen Vorstand und einem überschaubaren Sportangebot.


Heute müssen Vereine professionelle Unternehmen sein, die für ihre Mitglieder dennoch das persönliche Vereinsgefühl ausstrahlen. Zweifelsohne ein Spagat, zu dem meist nur Vereine mit ein paar tausend Mitgliedern fähig sind. Denn Verwaltung und Steuerung eines solchen Vereins muss durch bezahlte hauptamtliche Mitarbeiter erfolgen.


Neben dem traditionellen Vereinsangebot wie unter anderem Fußball, Schwimmen, Gymnastik und Leichtathletik, treten seit ungefährer zwanzig Jahren Fitness und immer wieder neue Trendsportarten wie Hip Hop, Squaredance, Poledance und Parkour auf. Ganz neu ist der sportliche Wettstreit bei Computerspielen, eSports genannt und mittlerweile bis zur Bundesliga organisiert. Vereine, die diese Trends aufgreifen, gewinnen Mitglieder.


Hinzu kommen räumliche Herausforderungen. Die Vereine brauchen Sportstätten für ihre Mitglieder und stoßen besonders im Winter an Grenzen, denn Hallenkapazitäten sind begrenzt, zumal die meisten Sportler am späten Nachmittag und am Abend in die Kurse drängen. Viele Turnhallen sind in schlechtem Zustand und die Kommunen kommen als Träger kaum noch hinterher, die Schäden zu beheben. Zunehmend werden Hallen geschlossen oder sind wegen Renovierungsarbeiten zeitweise gesperrt. Ein großes Problem für die Vereine.


Was liegt da näher, als selbst Hallen zu bauen oder von den Kommunen zu übernehmen? Tagsüber könnten sie an Schulen vermietet werden, später stehen sie den Vereinsmitgliedern zur Verfügung. Vereine, die bereits mit dem Modell experimentieren, machen durchweg gute Erfahrungen. Dies könnte also der nächste Schritt zur Veränderung der Vereinslandschaft sein. Wohin sie führt, weiß derzeit niemand. Aber Deutschland wird wohl auch weiterhin das Land der Vereine bleiben.

 

 

 

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