Erfolgsstorys – Handwerk, deine Chance!

Beim Fliesenleger Wolf: Ein Beruf zum Anfassen

 

Die Eingangshalle des Klinikums in Markendorf, die Frankfurter Bahnhofshalle, die Fürstengalerie in Fürstenwalde oder die Orangerie im Kloster Neuzelle – Fliesenlegermeister Alexander Wolf hat mit seiner Arbeit , dem Verlegen von Fliesen, Mosaik, Natursteinen oder Betonwerksteinen schon viele Spuren in der Region hinterlassen. Sein kleiner Handwerksbetrieb mit heute acht Mitarbeitern einschließlich Gesellen besteht seit gut 18 Jahren.

 

Nachdem Alexander Wolf 1994 seine Meisterprüfung erfolgreich bestanden hatte, beschloss er mit einem Partner, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. „Wir wollten auf eigenen Beinen stehen und unabhängig sein, erzählt er, und: „Ich habe es nie bereut, die Geschäfte laufen gut“.

 

Der Frankfurter Alexander Wolf ist Handwerker mit Leib und Seele. Sein Handwerksbetrieb sei auch sein Hobby, bekennt der 42-Jährige, dessen Büro in der Fürstenberger Straße farbenfrohe Fliesen von Friedensreich Hundertwasser schmücken. Wolf ist großer Fan des Wiener Künstlers, dem die menschenfreundliche Architektur sehr am Herzen lag.

 

Wolf selbst liegt die gute Ausbildung junger Menschen am Herzen: Damit sie eine Zukunft, hier in unserer Region haben, hat er schon mehr als zehn Lehrlinge ausgebildet. Einer davon war Sascha Eulenberger. Nach einem Schülerpraktikum im Fliesenlegerbetrieb hatte dieser 1999 seine Lehre bei Wolf begonnen, weil er unbedingt etwas „Handfestes“ machen wollte. „Fliesenleger ist ein sehr abwechslungsreicher Beruf“, meint er, der nicht nur handwerkliche Fähigkeiten, sondern auch ästhetisches Empfinden und gestalterische Ideen verlange. Das mache ihm Spaß, wie auch der Umgang mit den vielen, sehr unterschiedlichen Kunden. Auch deshalb arbeitet Sascha Eulenberger auch nach der Lehre weiter bei Wolf. Aber man müsse auch wissen, dass Fliesen-, Platten- und Mosaiklegen eine schwere körperliche Arbeit sei … „Fliesen hin- und herschleppen, den ganzen Tag auf den Knien herumrutschen. Da muss man schon robust sein.“

 

Ganz neu bei Wolf ist der 17- jährige Eric. Der Frankfurter hat die Kleist- Schule besucht und auch für ihn stand fest, dass sein zukünftiger Beruf etwas Handwerkliches sein sollte – aber was? In einem Berufsvorbereitungsjahr hatte er sich Praktika ausgesucht und bei einem Tag der offenen Tür bei der Handwerkskammer ist er auf Fliesenleger Wolf gekommen. Inzwischen macht er dort eine Einstiegsqualifizierung (EQ), um vielleicht später als „richtiger Lehrling“ bei Wolf anzufangen. „Während der EQ prüft der Arbeitgeber, ob der zu Qualifizierende für eine Berufsausbildung im Unternehmen infrage kommt. Eric kann jetzt zeigen, was in ihm steckt“, so Meister Wolf. Eric jedenfalls gefällt die Arbeit bei der Firma Wolf und er gibt sich viel Mühe, den Anforderungen des Berufes, der neben handwerklichem Geschick vor allem Kreativität und den freundlichen und sachkundigen Umgang mit Kunden verlangt, zu entsprechen. Momentan ist er mit seinen Kollegen unter anderem bei der Modernisierung des Hochhauses in der Halben Stadt 27 in Frankfurt beschäftigt.

 

Mit einer Übergangsquote in die betriebliche Berufsausbildung von über 70 Prozent im Ausbildungsjahr 2011/12 in unserem Kammerbezirk hat sich diese Qualifizierungsmaßnahme als ein erfolgreiches Instrument zur beruflichen Integration erwiesen. EQ ist eine große Chance – eine Chance, die auch Eric ergreifen will!

Armin hat den richtigen Ausbildungsplatz gefunden

 

Der 18-jährige Armin Mech will Elektroniker werden.

 

Bei der ersten Begegnung an seinem Arbeitsplatz in Kliestow wirkt Armin zurückhaltend, fast schüchtern. Doch das sei nicht immer so, erzählt sein Chef, Elektromonteur Siegfried Welenga, über den 18-Jährigen mit den superkurzen Haaren und dem freundlichen Lächeln. „Ich kenne Armin jetzt schon seit gut einem Jahr“, sagt er, „er kann auch richtig lebhaft sein, vor allem wenn er gleich mehrere Dinge auf einmal machen will.“ Das Praktische liege dem Jungen, ergänzt er, und wenn er sich auch in der Schule ordentlich anstrenge, könnte er nach Abschluss der Lehre in dreieinhalb Jahren ein guter Geselle werden. Aufgewachsen ist Armin Mech in der Nähe von Poznan – lebt aber heute mit seiner Familie – die Mutter ist Polin und der Vater Deutscher – in Frankfurt (Oder).

 

Als es um die Berufswahl ging, war für Armin von Anfang an klar, es muss etwas Praktisches sein, am liebsten im Elektrohandwerk. So ging er mit seinem Vater zur Handwerkskammer, wo Siegmund Regen passgenauer Vermittler von Auszubildenden nicht nur kompetenter Ansprechpartner war, sondern auch gleich Hilfe wusste. Er schickte Armin, der zwar inzwischen gut deutsch spricht, aber beim Verständnis des Unterrichtsstoffes noch Probleme hatte, zur Elektrofirma Siegfried Welenga, wo er seit Oktober des vergangenen Jahres eine Einstiegsqualifizierung absolvierte.

 

Solche Einstiegsqualifizierungen sind ein von der Wirtschaft im Rahmen des Ausbildungspaktes entwickeltes Angebot, das jungen Menschen mit Vermittlungshemmnissen als Brücke in die Berufsausbildung dienen soll. Sie können erste praktische Erfahrungen sammeln und hineinschnuppern in ihren Traumberuf.

 

Zwischen dem erfahrenen Handwerker Siegfried Welenga und Armin hat es geklappt, denn inzwischen ist der junge Mann, der bei Wind und Wetter mit seinem Fahrrad von Frankfurt in den Ortsteil Kliestow zur Arbeit fährt, richtiger Elektroniker-Lehrling. Armin gefällt es in dem kleinen Familienbetrieb: „Die Leute sind nett, die Arbeit abwechslungsreich und interessant und es gibt jeden Tag etwas Neues. Ich glaube, ich habe das Richtige gefunden“, erzählt er. Und auch in der Schule laufe es immer besser, ergänzt er.

 

Armin ist zufrieden mit seinem Ausbildungsplatz und fährt jeden Tag gern zur Arbeit. Wie es nach der Lehre weiter gehen soll? Armin zuckt die Schultern: „Weiß noch nicht … mal sehen.“ Zurzeit macht er seinen Führerschein und die Prüfung dafür ist sein nächstes Ziel. Im neuen Jahr kann er dann sicher schon mit dem Auto nach Kliestow fahren und vielleicht auch bald seine alten Freunde in Poznan besuchen fahren.

So einen Pokal wollte ich auch …

 

Friseurlehrling Carolin Strothoff gewann im ersten Lehrjahr bereits den begehrten Oderlandpokal. Traumberufe gibt’s viele. Für Carolin Strothoff gibt es nur einen!

 

„Für mich stand schon sehr früh fest: Ich will Friseurin werden. Als Kind habe ich meine Puppen frisiert und schon mit meinem Hamster Friseursalon gespielt“, erinnert sie sich schmunzelnd. Dabei ist es vor allem das Kreative, das sie am Friseurberuf reizt: „Andere Leute zu verschönen und dem Typ entsprechend zu verändern, macht mir einfach Spaß“, erzählt sie. Das probiere sie auch gern mal bei Mutti oder der besten Freundin aus und auch sie selbst braucht immer mal wieder Abwechslung, das heißt eine neue Frisur oder eine modische Haarfarbe. Gegenwärtig trägt Carolin blond, was ihr sehr gut steht, aber auch das rote Haar, das man noch vor einem Jahr auf den Fotos beim Oderlandpokal sieht, passte gut zu ihr. Als sie vor zwei Jahren mit ihrer Familie aus Nordrhein-Westfalen ins brandenburgische Fürstenwalde zog und einen Ausbildungsplatz im Handwerk suchte, hatte sie doppeltes Glück. „Es klappte gleich bei der ersten Bewerbung und ich bin im Salon bei Barbara Hieske gelandet, einer strengen Chefin, bei der man sehr viel lernen kann.“

 

Seit 1998 nimmt die Friseurmeisterin Barbara Hieske mit ihren Schützlingen am Oderlandpokal teil. Jedes Jahr konnten sie bisher Preise mit nach Hause nehmen. Carolin war 2012 zum ersten Mal dabei: „Ich war ja erst im ersten Lehrjahr und furchtbar aufgeregt und habe gezittert“, erinnert sie sich. Und obwohl die hübsche junge Frau bereits die Siegertrophäe im Herrenfach und für den zweiten Rang im Damenfach aus den Händen von Handwerkskammerpräsident Wolf-Harald Krüger entgegennahm, glaubte sie nicht an ihren Gesamtsieg. „Aber so einen Pokal wollte ich gern haben und bin sehr stolz, dass er jetzt in unserem Salon in Fürstenwalde einen schönen Platz hat.“

 

2013 gilt es, ihn zu verteidigen, und Carolin – jetzt im zweiten Lehrjahr – übt schon fleißig für den 20. Oderlandpokal, ein Wettbewerb für Friseurlehrlinge und Gesellen, der am 3. März zum 20. Mal in den Frankfurter Messehallen stattfinden wird. „Ich freue mich auf die Atmosphäre, bin aber wieder sehr aufgeregt“, gesteht sie. Ihre Chefin Barbara Hieske glaubt an ihre junge Kollegin. „Ich habe schon sehr viele Lehrlinge ausgebildet“, erzählt sie. „Es werden wohl an die 20 sein. Aber Carolin ist ein Glücksgriff, sie ist nicht nur sehr talentiert, sondern auch ehrgeizig und fleißig.“

 

 

Quelle: Ready for TAKE OFF, HWK Frankfurt/Oder, 15230079, 2. Auflage, 2013

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