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Die Mühlen von Oderwitz – gelebte Geschichte im Wind

Die alten Mühlen von Oderwitz erzählen vom Fleiß vergangener Generationen – und drehen sich heute weiter als lebendige Denkmale. Entdecke, wie Handwerk, Engagement und Heimatliebe hier im Wind zusammenwirken.


05.12.2025

© Holger G. Schulze

Ein Wahrzeichen mit Seele

Kaum ein Ort in der Oberlausitz ist so stark durch seine Mühlen geprägt wie Oderwitz. Seit Jahrhunderten stehen die Bockwindmühlen und die historische Wassermühle als Sinnbilder für Handwerkskunst, Erfindergeist und die Verbundenheit der Menschen mit ihrer Heimat. Noch heute erzählen sie Geschichten vom Mahlhandwerk, von regionaler Tradition und von der Liebe der Bürgerinnen und Bürger, diese Zeugnisse lebendig zu halten.

Die vier Mühlen – jede mit eigener Geschichte

Oderwitz besitzt gleich vier besondere Mühlen, die den Charakter des Ortes ausmachen und Besucher wie Einheimische gleichermaßen faszinieren.

Die Neumann-Mühle

Die jüngste der Oderwitzer Bockwindmühlen stammt ursprünglich aus dem böhmischen Ullersdorf und beeindruckt durch ihre massiven Holzflügel, die je 750 Kilogramm wiegen. Nachdem sie 1956 außer Betrieb ging, wurde sie engagiert restauriert und 1991 sogar mit der EUROPA-NOSTRA-Verdienstmedaille ausgezeichnet – ein Zeichen für ihren kulturhistorischen Wert und das unermüdliche Engagement des Mühlenvereins.

Die Birkmühle – Sachsens erste Hochzeitsmühle

Die 1800 erbaute Birkmühle ist heute weit mehr als ein technisches Denkmal: Sie ist ein festlicher Ort für Trauungen und eine der beliebtesten Attraktionen in Oderwitz. Wer eine Führung bucht, erlebt hautnah, wie einst Getreide zu Mehl verarbeitet wurde – und spürt die besondere Atmosphäre eines historischen Bauwerks, das zugleich ein lebendiger Ort der Begegnung ist.

Die Berndt-Mühle

Als älteste erhaltene Bockwindmühle des Ortes stammt sie aus dem Jahr 1787. Über Generationen betrieben und modernisiert, wurde sie zeitweise mit Wind- und Elektroenergie kombiniert. Heute ist sie ein wichtiges Beispiel für die technologische Entwicklung des Müllerhandwerks und ein authentischer Ort für Führungen und Geschichtserlebnisse.

Die Berthold-Mühle – eine Wassermühle im Herzen des Ortes

Seit 1769 in Familienbesitz, steht diese Mühle für Kontinuität und handwerkliche Tradition. Obwohl die Wasserkraft seit den 1960er-Jahren versiegt ist, wird hier noch immer Mehl hergestellt – ein seltenes Beispiel für lebendige Handwerkskultur. Viele Produkte können direkt im Mühlenladen erworben werden.

Der Mühlenpfad – Geschichte, die man gehen kann

Der Oderwitzer Mühlenpfad verbindet alle historischen Standorte miteinander und macht die regionale Vergangenheit begehbar. Informationstafeln erklären die Funktionsweise der Mühlen, erzählen Geschichten von Müllerfamilien und zeigen, wie sehr diese Bauwerke den Ort über Jahrhunderte geprägt haben. Ein Erlebnis für Familien, Kulturinteressierte und Wanderfreunde.

Engagement, das Tradition erhält

Besonders beeindruckend ist der Einsatz des Förderkreises Oberoderwitzer Bockwindmühlen e. V. Die Mitglieder widmen sich seit den 1990er-Jahren der Restaurierung, Pflege und Bewahrung dieser einzigartigen Bauwerke. Führungen, der jährlich stattfindende Mühlentag und vielfältige Aktionen beleben die Tradition und machen sie einer breiten Öffentlichkeit zugänglich.

Ein kulturelles Erbe für die Zukunft

Die Mühlen sind mehr als denkmalgeschützte Gebäude – sie sind lebendige Erinnerungsorte, die das Selbstverständnis der Gemeinde widerspiegeln. Sie verbinden Vergangenheit und Gegenwart, schaffen Begegnungen und stärken das Bewusstsein für regionale Geschichte. Wer Oderwitz besucht, sollte sich unbedingt Zeit nehmen, diese besonderen Bauwerke zu erleben – zu Fuß, mit dem Rad oder auf einer der geführten Touren.

Mehr Informationen zu Oderwitz finden Sie in der aktuellen Bürgerinformationsbroschüre.

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