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Handwerk 2.0 – wo Technik auf Teamgeist trifft
Von Hightech bis Handarbeit: Das Handwerk vereint Tradition und Innovation wie kaum eine andere Branche.
20.04.2026

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Was kommt dir zuerst in den Sinn, wenn du an das Handwerk denkst? Schwere Werkzeuge, frühes Aufstehen, staubige Werkstätten? Damit liegst du leider voll daneben! Denn die Branche heute ist viel mehr: digital, nachhaltig, zukunftssicher – und vor allem ein Ort, an dem junge Menschen wie du ihren eigenen Weg finden können.
Vom Hightech-Betrieb bis zur nachhaltigen Manufaktur, von der Werkbank bis zur Solaranlage – das Handwerk bietet über 130 verschiedene Ausbildungsberufe und unzählige Spezialisierungen. Ob du eher praktisch oder kreativ bist, gerne mit Menschen arbeitest oder lieber mit Maschinen – bei uns findest du deinen Platz.
Gemeinsam fegt es sich besser
Die Tischlerei Welling in Göttingen ist ein Paradebeispiel dafür, wie Handwerk heute aussehen kann: modern, menschlich und technisch auf dem neuesten Stand. Als Bau- und Möbeltischlerei verbindet der Betrieb Handwerkstradition mit digitaler Prozessoptimierung. Eine Roboter-Einheit übernimmt die Materiallogistik, die Werkstatt arbeitet mit automatisierten Arbeitsabläufen – körperlich schwere Tätigkeiten werden reduziert, die Qualität steigt.
Doch nicht nur Technik spielt hier eine Rolle: Das Wir-Gefühl ist zentral. „Bei uns fegt nicht mehr der Azubi die Werkstatt – das machen alle gemeinsam“, sagt Geschäftsführer Christoph Welling. Die Ausbildung beginnt häufig mit einem Praktikum, gefolgt von einem Berufsfachschuljahr – das senkt Hürden und erhöht die Motivation. Die Zahlen sprechen für sich: Von den 18 Mitarbeitenden haben fast alle ihre Ausbildung im Betrieb gemacht.
Azubi Kester Reimann bringt es auf den Punkt: „Die Mischung aus praktischem Handwerk und Facharbeit ist einfach besonders. Und Holz ist ein Werkstoff, mit dem man gerne arbeitet.“
„Jeder Mensch verdient eine Chance“
Im Autocentrum Cetinkaya in Delligsen zeigt sich das Handwerk ebenfalls von seiner sozialen Seite. Yusuf Cetinkaya, selbst mit Migrationshintergrund, kennt die Herausforderungen beim Berufseinstieg – und setzt heute alles daran, anderen diesen Weg zu ebnen. In seinem Betrieb werden gezielt Geflüchtete und Jugendliche mit Zuwanderungsgeschichte ausgebildet – mit viel Geduld, Verständnis und Respekt. Azubis dürfen während der Arbeitszeit zur Nachhilfe, wenn sie Unterstützung brauchen. Probleme werden offen angesprochen – Menschlichkeit ist hier keine Floskel, sondern gelebter Alltag.
Du siehst: Vielfalt ist im Handwerk nicht nur willkommen, sondern essenziell! Das landesgeförderte Projekt „Fachkräfte für das Handwerk“ (IFHa) begleitet daher Menschen mit Migrationshintergrund und Betriebe auf dem Weg zur erfolgreichen Integration – mit individueller Beratung, Vermittlung in Ausbildung oder Beschäftigung und konkreter Unterstützung im Behördenkontakt. „Erfolgreiche Integration stärkt nicht nur die Fachkräftesicherung, sondern auch das Miteinander im Betrieb“, erklärt Malte Diercks, Projektkoordinator bei der Handwerkskammer Hildesheim-Südniedersachsen. Doch es braucht mehr als gute Absichten, vor allem beim Zugang zu Sprachkursen gebe es noch Nachholbedarf. Mit Blick auf den demografischen Wandel ist klar: Das Handwerk von morgen wird bunter - und Projekte wie IFHa sind entscheidend, damit aus Vielfalt auch echte Chancengleichheit wird.
Segel nähen, Zukunft gestalten
Die Segelmanufaktur Lishke in Hildesheim verbindet Nachhaltigkeit und Qualität in beeindruckender Weise. Seit über 30 Jahren werden hier Yacht- und Sonnensegel gefertigt – heute mit Photovoltaik, regionaler Produktion und echtem Engagement für Umwelt und Gesellschaft.
Der Betrieb produziert mehr Strom, als er verbraucht, bietet eine 4-Tage-Woche, faire Arbeitsbedingungen und sogar wöchentliche Yogaeinheiten. Besonders innovativ: das Upcycling-Projekt Bodo-Bags. Aus ausgedienten Segeln entstehen hochwertige Taschen, jedes Stück ist dabei ein Unikat, mit Geschichte und Zukunft.
„Wir verbinden traditionelle Handarbeit mit modernster Technik – und machen dabei noch etwas für die Umwelt“, erklärt Inhaber Ralf Kohrs. Auch soziale Projekte, wie zum Beispiel das Frauenhaus Hildesheim, werden unterstützt. Ausbildung hat ebenfalls einen festen Platz im selten gewordenen Segelmacherhandwerk. „Wir möchten junge Leute für ein Handwerk begeistern, das Sinn stiftet und Substanz hat.“
Handwerk ist so vielfältig wie du – und voller Perspektiven
Drei Betriebe, drei Wege, ein Ziel: Junge Menschen wie dich zu fördern, stärken und zu begeistern. Ob mit Hightech-Holzverarbeitung, sozialem Engagement oder nachhaltigem Segelmachen – das Handwerk ist so bunt und individuell wie die Menschen, die es ausüben.
Und vielleicht ist genau das der wichtigste Punkt: Im Handwerk zählt, wer du bist. Nicht dein Schulabschluss, nicht dein Lebenslauf – sondern dein Interesse, dein Engagement und dein Mut, etwas Neues zu beginnen.
Beitragsverfasser:
ARi
Niedersachsen, Göttingen







