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Interview Aron-David Zgoll, Teamleiter Berufsorientierung Handwerkskammer
Aron-David Zgoll ist Leiter der Berufsorientierung bei der Handwerkskammer Hildesheim-Südniedersachsen. Gemeinsam mit einem Team aus erfahrenen Handwerkerinnen und Handwerkern begleitet er Jugendliche mit Herzblut und praktischem Know-how auf dem Weg in die Ausbildung. Im Interview berichtet er über die Faszination Handwerk, echte Erfolgsgeschichten.
20.04.2026

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Aron, steigen wir mal direkt in das Thema ein: Was ist für dich das Besondere am Handwerk?
Handwerk kann unheimlich begeistern – man muss es einfach gesehen und erlebt haben. Es ist toll zu sehen, was du mit deinen eigenen Händen schaffen kannst. In jedem Gewerk steckt die Möglichkeit, sich selbst zu verwirklichen, etwas Eigenes und Nachhaltiges zu gestalten. Das Handwerk macht aus Ideen greifbare Wirklichkeit.
Gab’s einen Moment, bei dem du wusstest: Genau deswegen liebe ich meinen Job?
Davon gibt es einfach eine Menge Momente. Besonders im Kopf ist mir aber ein junger Kraftfahrzeugmechatroniker mit Migrationshintergrund geblieben. Wir haben ihn in die Ausbildung vermittelt, engmaschig begleitet – und am Ende sogar durch die Hürden zur Meisterschule geführt. Heute führt er seinen eigenen Betrieb und bildet selbst aus. Mitzuerleben, wie junge Menschen ihren Weg gehen und dabei über sich hinauswachsen – das ist unglaublich schön.
Was bedeutet berufliche Orientierung für dich – gerade in einer Zeit voller Möglichkeiten?
Jugendliche brauchen in diesem ganzen Wirrwarr eine Art Kompass. Eltern, Freunde, Lehrkräfte – und natürlich wir von der Handwerkskammer – können dabei helfen, Orientierung zu geben. Mein Tipp: Mach ein Praktikum! Selbst eine Woche kann oft ausreichen, um ein erstes Gefühl zu bekommen. Und selbst wenn du merkst, dass es nicht passt – du nimmst immer etwas für dich mit. Es ist nie verschenkte Zeit.
Was würdest du einem Jugendlichen sagen, der noch nicht weiß, wohin es beruflich gehen soll?
Bleib offen und neugierig! Probiere dich aus – ob durch eine AG in der Schule, einen Ferienjob oder ein Praktikum. Nur so kannst du herausfinden, was zu dir passt. Und dich nicht von anderen festlegen – es ist dein Weg!
Was macht eine Ausbildung im Handwerk heute so attraktiv – auch im Vergleich zum Studium?
Der große Praxisbezug! Ich selbst habe eine kaufmännische Ausbildung gemacht – aber im Handwerk bist du von Anfang an mitten im echten Arbeitsleben. Du hast direkten Kundenkontakt, musst spontan Lösungen finden und kannst eigene Ideen einbringen. Und genau das fördert deine persönliche Entwicklung – viel mehr, als man denkt.
Wie findet man den passenden Ausbildungsberuf im Handwerk – bei über 130 Möglichkeiten?
Ganz einfach eigentlich: Du musst einfach ins Machen kommen! Wer noch nicht weiß, wo die eigenen Stärken liegen, kann sich von uns beraten lassen. Will ich lieber mit Holz oder Metall arbeiten? Möchte ich draußen sein? Interessiert mich Klimaschutz? Diese Fragen helfen. Und dann heißt es: einfach ausprobieren.
Welche Entwicklungschancen gibt es nach der Ausbildung?
Richtig viele! Viele Gesellen entscheiden sich für die Meisterschule – denn danach kannst du deinen eigenen Betrieb führen. Es gibt aber auch etliche Fachfortbildungen zur Spezialisierung. Und wer will, kann danach sogar den Betriebswirt machen – vergleichbar mit dem Niveau eines Masterabschlusses. Das Handwerk ist so wunderbar durchlässig: bei uns kann jeder alles werden – wenn man wirklich Bock hat.
Wie unterstützen dein Team und du überhaupt Jugendliche bei der Berufsorientierung?
Wir sind fast rund um die Uhr erreichbar: per WhatsApp, E-Mail, telefonisch oder persönlich. Wir helfen bei der Berufswahl, bei der Bewerbung, beim Vorstellungsgespräch – und wir vermitteln auch direkt Ausbildungsplätze, da wir mit vielen Betrieben im engen Austausch stehen. Ich würde es schon fast wie ein „Rundum-sorglos-Paket“ bezeichnen.
Was sind die größten Missverständnisse über das Handwerk?
Oft hören wir: „Da macht man sich kaputt und verdient wenig.“ Das stimmt so einfach nicht. Was viele nicht wissen: Ein ausgebildeter Meister verdient oft mehr als ein Studienabsolvent. Wir gehen in Schulen, machen Mitmachaktionen, bei denen Schüler echte Einblicke bekommen – und auch Eltern zeigen wir, was heute im Handwerk möglich ist.
Was wünschst du dir für die Zukunft des Handwerks – gerade mit Blick auf die junge Generation?
Ich wünsche mir mehr Wertschätzung. Wir sind nicht die, die morgens mit dem Presslufthammer nerven – wir sind die, die dieses Land am Laufen halten. Ohne Handwerk gäbe es keine Möbel, kein warmes Wasser, keine frischen Brötchen. Das Handwerk ist bunt, laut, vielfältig – so wie unsere Gesellschaft.
Und zum Schluss: Wieso lohnt sich ein Beruf im Handwerk – in einem Satz?
Oh, das fällt mir schwer in einem Satz zusammenzufassen, da du so viele Möglichkeiten im Handwerk hast – aber ich versuche es mal so: Für mich ist das Handwerk nicht nur eine Karrierewahl, sondern eine Lebensweise – die Kreativität, Unabhängigkeit, Chancengleichheit & Nachhaltigkeit miteinander verbindet.
Infokasten:
Bereit für deine Zukunft im Handwerk?
Aron und sein Team freuen sich auf dich – melde dich einfach!
05121 162-123
0176 1361 2438
Beitragsverfasser:
ARi
Niedersachsen, Göttingen







