Kieler Woche 2020: Gewagt, gelernt, gewonnen

Schleswig-Holstein, Kiel, Kiel

Ganz viele digitale Angebote, dezentrale Veranstaltungen vor begrenztem Publikum, ein umfangreiches Hygienekonzept und „Klassiker“ in neuem Gewand: Die Kieler Woche 2020 ist neue Wege gegangen. Am Sonntag, 13. September, endet sie mit einem letzten digitalen Feuerwerk auf den großen Kinoleinwänden.

 Für Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer ist die etwas andere Kieler Woche ein Erfolg: „Wir haben es geschafft zu zeigen, dass man in Coronazeiten eine solche Veranstaltung machen kann – mit Mut, Kreativität und  Verantwortungsbewusstsein.“ 

Viele Veranstaltungen wie die Konzerte auf der „Secret Stage“, Live-Übertragungen der Auftritte von Top-Acts oder die Windjammer-Segelparade seien sehr gut besucht gewesen. Auch neue Formate wie das Segelkino wurden gut angenommen.

Für Kämpfer steht fest: „Wir haben viel Neues gewagt und wertvolle Erfahrungen gesammelt. Und am Ende haben ganz viele gewonnen: Die Segler*innen, die sich nur hier in Kiel in diesem Jahr auf Weltniveau messen konnten. Die Veranstaltungsbranche, für die wir ein starkes Signal in schwierigen Zeiten gesetzt haben. Die Bands, die endlich wieder live spielen konnten. Und vor allem die Kieler-Woche-Fans, denen wir besondere Gemeinschaftserlebnisse ermöglichen konnten.“

Insgesamt wurden rund 38.000 Tickets für die Veranstaltungen der Kieler Woche 2020 gebucht – 44.000 hätten zur Verfügung gestanden. Hinzu kommen die spontanen Besucher*innen auf den Erlebnisarealen, die Teilnehmer*innen von Regattabegleitfahrten und die rund 30.000 Zuschauer*innen der Windjammerparade, bei der insgesamt 400 Boote ein besonderes Bild auf die Förde zauberten.

Online hatten die Livestreams der Kieler Woche auf unterschiedlichen Kanälen rund 195.000 Zuschauer*innen.

Auch Philipp Dornberger, Leiter des Kieler-Woche-Büros, ist zufrieden mit dieser „KiWo“, die vor allem organisatorisch eine große Herausforderung war: „Vieles hat von Beginn an gut funktioniert. Manches haben wir im ‚laufenden Betrieb‘ angepasst. Gerade das zweite Wochenende hat gezeigt, dass die Menschen immer mehr in Kieler-Woche-Stimmung gekommen sind.“

Einige Neuerungen wie das weltweit erste Segelkino auf der Förde kann sich Dornberger auch als Teil einer „normalen“ Kieler Woche vorstellen: „Das hat wirklich sehr gut funktioniert und die Stimmung war eine ganz besondere.“

Das umfassende Sicherheits- und Hygienekonzept hat sich bewährt. „Das Hygienekonzept für die Kieler Woche hat funktioniert. Wir haben uns zunächst für sehr strenge Vorgaben entschieden, konnten dann feststellen, dass eine dreifache Absicherung von Abstand, Maske und begrenzte Teilnehmer*innenzahl bei Veranstaltungen im Freien nicht überall zwingend notwendig ist. Diese Erfahrungen sind sehr wertvoll für weitere Veranstaltungen in Zeiten der Corona-Pandemie“, erklärt Kiels Gesundheitsdezernent Gerwin Stöcken.


Segeln: Jahreshöhepunkt für viele Aktive

Nach sechs Monaten Regattapause setzte die internationale Segelwelt in diesem Jahr voll auf Kiel. Die Weltspitze reiste an und wurde nicht enttäuscht, denn die Landeshauptstadt überzeugte mit Wind und einem vollen Regattaprogramm.

An Land sorgte die strikte Einhaltung der Hygienevorschriften für die Sicherheit der Segler*innen. „Zu dem Setup der Kieler Woche an Land kann ich sagen, dass in Summe die Konzepte aufgegangen sind, die wir in den vergangenen Monaten erarbeitet haben. Dies lag neben den Konzepten selbst insbesondere an der hohen Disziplin und der hohen Akzeptanz der Segler*innen und Betreuer*innen“, so Regattaleiter Dirk Ramhorst. Vielen Segler*innen hätte unabhängig von den besonderen Rahmenbedingungen der Fokus auf das Segeln gefallen.

„Wir hatten mehrere hundert Pre-Screenings und auch zahlreiche veranlasste PCR-Testungen, die alle negativ waren. Uns wird sicherlich – leider – der eine oder andere Baustein aus unserem Hygienekonzept auch im nächsten Jahr begegnen“, meint Ramhorst und ergänzt: „Der Spruch des einstigen Vorsitzenden des Weltseglerverbandes Paul Henderson aus Kanada – ‚Do it like in Kiel‘ – gilt vielleicht ab sofort im doppelten Sinne“.

Für den Deutschen Segler-Verband zog Sportdirektorin Nadine Stegenwalner ein positives Resümee: „Ein großes Lob an die Organisator*innen! Wir freuen uns, dass sich die viele Arbeit in der Vorbereitung ausgezahlt hat. Ich konnte auch viel positives Feedback von den Segler*innen und Trainer*innen – auch intern – hören, die sich sehr gefreut haben, dass ein Event stattfindet und die Aktiven endlich wieder Wettfahrten segeln konnten“.

Der Deutsche Segler-Verband hatte die Kieler Woche in vier Bootsklassen für die Olympia-Qualifikation ausgeschrieben. „Es war eine gelungene Serie mit hochkarätigen Feldern. Und eine Qualifikation vor der eigenen Haustür ist immer etwas Besonderes. Die Segler*innen aus dem German Sailing Team kennen das Revier und Umfeld aus dem Effeff. Und die mediale Aufmerksamkeit ist natürlich höher“, so Stegenwalner.

Die deutschen Skiff-Crews haben die Olympiakriterien nach der Kieler Woche erfüllt und der DSV wird die Crews dem Deutschen Olympischen Sportbund zur Nominierung vorschlagen.

Die 49er-Bronzemedaillengewinner von Rio, Erik Heil und Thomas Plößel, waren als WM-Zweite 2019 und Dritte bei der WM im Frühjahr schon vor der Kieler Woche uneinholbar, doch nun ist es offiziell. Nach der langen Pause seit Februar war die Regatta für die Crew zwar eher holperig, aber die Kieler Woche war ohnehin eher eine Kür.

Ab November steht für Erik Heil dann für drei Monate das Studium im Vordergrund: „Thomas wird sehen, wie er mit unseren Trainingspartnern arbeiten kann. Ab Februar geht es dann voll weiter in Richtung Tokio.“ Und das mit hohen Ambitionen, nachdem Heil/Plößel mit Bronze vor Rio die einzige deutsche Segelmedaille gewannen. Erik Heil legte in Kiel die Messlatte hoch: „Das Ziel ist es, besser zu sein als beim letzten Mal.“

Freude pur versprühten Tina Lutz und Susann Beucke. Das 49erFX-Team sicherte sich vor Kiel im dritten Anlauf das erste Olympiaticket. „Es ist die Belohnung für zwölf Jahre harte Arbeit“, so Beucke. Die Europameisterinnen von 2017 waren zweimal in der nationalen Qualifikation knapp gescheitert, ließen aber nicht locker. „Hartnäckigkeit sticht Talent und Genie aus“, so Tina Lutz. Die Stranderin Beucke (damals 29er) und die Chiemseerin Lutz (damals 420er) hatten sich 2006 bei einer Pressekonferenz der Kieler Woche kennengelernt und beschlossen, künftig gemeinsam zu segeln. Nach 14 Jahren schließt sich so der Kreis in Kiel.


Digitale Woche Kiel

Die Digitale Woche Kiel, das bundesweit größte öffentlich initiierte Digitalfestival, fand erstmals parallel zur Kieler Woche statt. Neun Tage – ein Thema: Wie kann Digitalisierung unsere Zukunftsfähigkeit stärken? In rund 280 Veranstaltungen konnten fast 38.000 Interessierte online oder vor Ort live an der diwokiel20 teilnehmen. „Wir sind begeistert von der Qualität und Intensität der Diskussionen vor Ort und im digitalen Austausch mit Zuschauenden über die neue Plattform kiel.live,“ so Kathrin Reinicke, Leiterin des Digitale Woche Kiel Büros in der KiWi.

Für Reinicke steht fest: „Unser Konzept eines hybriden Formates für die diwokiel20 ist voll aufgegangen – für die diwokiel21 werden wir in jedem Fall hier anknüpfen!“ Wer den Livestream aus dem diwokiel-Studio verpasst hat, findet die Events in der Mediathek auf der Website der Digitalen Woche Kiel www.digitalewochekiel.de/mediathek.


Die Kieler Woche 2021 wird – Stand jetzt – vom 19. bis 27. Juni 2021 stattfinden. Alle Informationen zur „KiWo“ gibt es unter www.kieler-woche.de.

Datum der Veröffentlichung: 13.09.2020
Beitragsverfasser: Landeshauptstadt Kiel, Pressereferat; Pressesprecherin Kerstin Graupner
Weblink: http://www.kiel.de

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