good*news / Noch mehr good*news?
Kunst, Geschichte und kulturelle Vielfalt - Das Badische Malerdorf Grötzingen im Karlsruher Osten
Grötzingen ist weit mehr als ein Stadtteil von Karlsruhe: Als Badisches Malerdorf blickt es auf über 125 Jahre Kunstgeschichte zurück. Heute verbindet Grötzingen diese kreative Tradition mit einer lebendigen Kulturszene, engagierten Vereinen und modernen Kulturformaten – ein Stadtteil, in dem Kunst bis heute gelebt wird.
23.12.2025

© Titus Tamm
Ein Stadtteil mit künstlerischer Identität
Karlsruhe-Grötzingen nimmt innerhalb der Fächerstadt eine besondere Stellung ein. Als „Badisches Malerdorf“ ist der Stadtteil weit über die Region hinaus bekannt und steht bis heute für eine außergewöhnliche Verbindung von Kunst, Geschichte und lebendiger Stadtteilkultur. Die künstlerische Prägung Grötzingens reicht bis ins späte 19. Jahrhundert zurück und wirkt bis in die Gegenwart fort.
Die Anfänge der Künstlerkolonie
Den Ursprung des Badischen Malerdorfs markiert das Jahr 1889, als der Landschaftsmaler Friedrich Kallmorgen ein Sommerhaus in Grötzingen erwarb. Ihm folgten weitere namhafte Künstlerinnen und Künstler wie Otto Fikentscher, Gustav Kampmann, Franz Hein und Karl Biese. Gemeinsam begründeten sie eine Künstlerkolonie, die eng mit der Kunstakademie Karlsruhe verbunden war und zu den reformorientierten Strömungen der damaligen Zeit zählte.
Grötzingen bot den Kunstschaffenden ideale Voraussetzungen: eine reizvolle Landschaft zwischen Kraichgauer Hügelland und Rheinebene, dörfliche Strukturen, Ruhe und Raum für kreatives Arbeiten – und zugleich die Nähe zur Residenzstadt Karlsruhe.
Kunstgeschichte mit überregionaler Bedeutung
Die Grötzinger Künstlerinnen und Künstler waren maßgeblich am 1896 gegründeten „Karlsruher Künstlerbund“ beteiligt und prägten dessen reformerische Ideen. Besonders bekannt wurden die in Grötzingen entstandenen Lithografien, die in ganz Deutschland Verbreitung fanden. Obwohl sich die ursprüngliche Künstlerkolonie zu Beginn des 20. Jahrhunderts allmählich auflöste, blieb Grötzingen ein Anziehungspunkt für Kunstschaffende.
Kontinuität und Neubeginn nach dem Zweiten Weltkrieg
Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte die künstlerische Tradition in Grötzingen weiter. Neue Generationen von Künstlerinnen und Künstlern ließen sich im Stadtteil nieder, oft inspiriert durch das historische Erbe des Malerdorfs und die besondere Atmosphäre des Ortes. Die Motive wandelten sich, doch das Interesse an Landschaft, Architektur und Alltagsleben Grötzingens blieb bestehen.
Kunst und Kultur heute: lebendig und vielfältig
Heute präsentiert sich Grötzingen als moderner Kulturstadtteil mit einer aktiven Kunstszene. Ein zentraler Ort ist das Kunstfachwerk N6 in der Ortsmitte. Als Kunst- und Kulturzentrum bietet es Galerieräume, Ateliers für Künstlerinnen und Künstler sowie wechselnde Ausstellungen zeitgenössischer Kunst. Damit verbindet das Haus Tradition und Gegenwart auf besondere Weise.
Regelmäßige Ausstellungen, Offene Ateliers und Gruppenschauen ermöglichen Einblicke in das aktuelle künstlerische Schaffen und laden Besucherinnen und Besucher dazu ein, Kunst direkt vor Ort zu erleben.
Kulturmeile und Kultursommer
Ein weiteres Highlight ist die Grötzinger Kulturmeile, die alle zwei Jahre stattfindet. Sie verbindet Kunst, Musik, Theater und Vereinsleben mit dem Grötzinger Straßenfest und macht den gesamten Ortskern zur Bühne. Ergänzt wird dieses Angebot durch den Grötzinger Kultursommer, der in den Jahren zwischen den Kulturmeilen stattfindet und mit Konzerten, Aufführungen und Veranstaltungen auf dem Rathausplatz ein breites Publikum anspricht.
Bemerkenswert ist dabei das hohe Maß an ehrenamtlichem Engagement: Viele Veranstaltungen werden von örtlichen Vereinen, Kulturschaffenden und Bürgerinnen und Bürgern organisiert und getragen.
Engagement für kulturelle Identität
Zahlreiche Vereine setzen sich aktiv für den Erhalt und die Weiterentwicklung der künstlerischen Tradition ein. Dazu zählen unter anderem die Heimatfreunde Grötzingen e. V. sowie der Freundeskreis Badisches Malerdorf Grötzingen e. V.. Ihr Ziel ist es, die über 125-jährige Kunstgeschichte sichtbar zu halten und zugleich Raum für neue Impulse zu schaffen.
Ein Stadtteil, in dem Kunst gelebt wird
Das Badische Malerdorf Grötzingen steht heute für mehr als ein historisches Kapitel. Es ist Ausdruck einer lebendigen Stadtteilkultur, in der Kunst, Geschichte und Gemeinschaft eng miteinander verbunden sind. Tradition und Moderne ergänzen sich, kreative Vielfalt prägt das Ortsbild, und kulturelle Angebote laden Menschen aller Generationen zum Mitmachen ein.
Damit ist Grötzingen ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie kulturelles Erbe bewahrt und zugleich zeitgemäß weiterentwickelt werden kann – ein echter kultureller Leuchtturm im Osten Karlsruhes.
Mehr Infos rund um Karlsruhe-Grötzingen beinhaltet die aktuelle Publikation "Informationsbroschüre Karlsruhe-Grötzingen (Auflage 4)".
Beitragsverfasser:
EA
Baden-Württemberg, Karlsruhe, Karlsruhe







