total-lokal.de verwendet Cookies, um Ihnen einen bestmöglichen Service zu bieten. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu.

XIch stimme zu.

Von Brücken, Kriegserleben und Umweltschutz – Stadt- und Schifffahrtsmuseum Jahresprogramm

Schleswig-Holstein, Kiel, Kiel

Eine große Themenvielfalt erwartet die Museumsbesucherinnen und Besucher im Jahr 2020 in den städtischen Museen. Das Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseum präsentiert in diesem Jahr mit vier großen Eigenproduktionen wieder ein abwechslungsreiches Sonderausstellungsprogramm im Warleberger Hof. Für Mitte März 2020 ist die Neueröffnung der Dauerausstellung in der Fischhalle am Seegarten geplant.

 

 

„Die Kieler Holstenbrücke. Die Geschichte eines innerstädtischen Areals im Spannungsfeld der Stadtgestaltung von den Anfängen bis heute“

 

Im Erdgeschoss des Stadtmuseums Warleberger Hof läuft noch bis zum 13. September 2020 die Ausstellung „Die Kieler Holstenbrücke“. Eröffnet wurde die Schau bereits im Dezember 2019. Die Präsentation mit zahlreichen historischen Fotos, Plänen und Gemälden befasst sich mit dem Wandel des Innenstadtquartiers, wo derzeit der Kleine Kiel-Kanal im Bau ist. Dieses Areal an der Scharnierstelle zwischen Kieler Altstadt und Vorstadt ist seit Jahrhunderten im Fokus städtebaulicher Entwicklungen. Hier kristallisieren sich die Prozesse der Urbanisierung besonders deutlich heraus. Im Spannungsfeld zwischen besonderen topografischen Gegebenheiten am Kleinen Kiel und den stadtplanerischen Anforderungen der wachsenden Großstadt kam es seit Jahrhunderten zu großen baulichen Veränderungen. Deren Architektur und Nutzung spiegeln zugleich die lokale Wirtschafts- und Zeitgeschichte bis heute wider.

 

Neben der Gesamtentwicklung des Areals rund um die Holstenbrücke beschäftigt sich die Ausstellung auch mit einzelnen Bauten und deren Geschichte, etwa Banken und Geschäfte, die als Kieler Traditionshäuser bekannt sind. Ende des 20. Jahrhunderts wandelten sich Bedürfnisse und Anforderungen an die Innenstadt, was letztendlich in die Planungen zum Kleinen Kiel-Kanal mündete. Die an dieses Projekt geknüpften städtebaulichen Zielsetzungen sowie die bautechnischen Herausforderungen bilden den inhaltlichen Abschluss der Ausstellung. 

 

 

„Luftkrieg und ,Heimatfront‘ – Kriegserleben in der NS-Gesellschaft in Kiel 1939-1945“

 

Im Obergeschoss des Warleberger Hofes wird vom 9. Februar bis 8. Juni die Ausstellung „Luftkrieg und ,Heimatfront‘ – Kriegserleben in der NS-Gesellschaft in Kiel 1939 – 1945“ gezeigt. 75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs widmen sich das Kieler Stadtmuseum und das Stadtarchiv in einem umfangreichen Ausstellungs- und Buchprojekt sowie zahlreichen Veranstaltungen der Geschichte von Bombenkrieg und Stadtzerstörung.

 

Die Sonderausstellung präsentiert zahlreiche historische Fotos vom Alltagsleben in Trümmern und von der verwüsteten Stadt sowie Dokumente, Plakate, Gemälde und Alltagsgegenstände aus der Kriegszeit – darunter einen transportablen Kleinstbunker vor der Tür des Museums. So zeichnet die Ausstellung nach, wie die Bombardements und zunehmende Vernichtung von Wohnraum, Infrastruktur, Kulturgut und Wirtschaftsbetrieben den Alltag und das städtische Gemeinwesen veränderten und wie die Menschen ihr Leben unter Angst und Entbehrungen organisierten.

 

Der NS-Machtapparat hatte nicht nur die Kriegssituation zu verantworten. Seine Ideologie und Propaganda bestimmten auch das persönliche Erleben sowie die mentale Verarbeitung der Kriegsereignisse. Die „Heimatfront“ wurde in die militärische Produktion und Logistik eingebunden und sollte den kämpfenden Soldaten moralische Unterstützung geben.

 

Kiel als bedeutender Rüstungs- und Marinestandort wurde daher Ziel massiver alliierter Bombenangriffe, denen Bunker und Luftschutzmaßnahmen nicht standhalten konnten. Über 3.000 Menschen verloren in Kiel aufgrund des Luftkriegs ihr Leben. 75 Prozent des Kieler Gebäudebestandes wurde zerstört oder beschädigt und 167.000 Menschen waren obdachlos geworden. Noch heute werden Blindgänger auf Kieler Stadtgebiet gefunden und zeigen die Dimension der Bombardements. Die Ausstellung befasst sich auch mit der Frage, welchen Platz der Luftkrieg in der städtischen Erinnerungskultur einnimmt und wie seiner Opfer angesichts der beispiellosen NS-Verbrechen gedacht werden soll. Es erscheint ein Begleitbuch mit Texten von elf wissenschaftlichen Autoren und Autorinnen.

 

 

Neue Dauerausstellung im Schifffahrtsmuseum und neues Programm im Industriemuseum Howaldtsche Metallgießerei

 

Neben dem Programm des Warleberger Hofes bringt das Frühjahr 2020 noch zwei weitere wichtige Kieler Museumsereignisse: Am 15. März soll die neue Dauerausstellung im Schifffahrtsmuseum mit vielen neuen Inhalten und Exponaten sowie einer komplett veränderten Ausstellungsarchitektur eröffnet werden. Mitte April startet das neue Programm des Industriemuseums Howaldtsche Metallgießerei, das seit Anfang des Jahres unter der Regie des Stadt- und Schifffahrtsmuseums steht. Zeitgleich beginnt die Saison der Museumsbrücke und Museumsschiffe.

 

 

Jubiläum: 700 Jahre Kieler Gelehrtenschule

 

Ein großes stadtgeschichtlich relevantes Jubiläum im Jahr 2020 ist das 700-jährige Bestehen der Kieler Gelehrtenschule. Nur wenige Dokumente des Stadtarchivs verweisen in diese frühe Epoche der Kieler Stadtgeschichte. Sie werden aus diesem Anlass vom Mitte Mai bis Mitte September im Gewölbekeller des Warleberger Hofes gezeigt und in ihren stadtgeschichtlichen Bezügen erläutert.

 

 

„Die 1970er Jahre – Zeit der Ernüchterung“

 

In der zweiten Jahreshälfte möchte sich das Museum der jüngeren Stadtgeschichte widmen und zeigt die Ausstellung „Die 1970er Jahre – Zeit der Ernüchterung“. Sie wird vom 19. Juni bis 22. November im Obergeschoss des Warleberger Hofes gezeigt.

 

Viele wirtschaftliche und gesellschaftliche Trends, die in den 1970er Jahren entstanden, spielen gegenwärtig eine wichtige Rolle. Das reicht von der Umweltschutzbewegung – damals eine Reaktion auf die „Grenzen des Wachstums“ und auf das Phänomen „Saurer Regen“ – und Bürgerbewegungen für mehr soziale Gerechtigkeit über das Erstarken des Dienstleistungssektors in der Wirtschaft und das Ende der Vollbeschäftigung bis zu wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Liberalisierung: freierer Markt, freiere Lebensformen, moderne Technologie.

 

Aus heutiger Sicht wirken die konsumfreudigen 1970er Jahre einerseits satt und bunt. Deutlich erkennbar sind andererseits aber auch neue, große Zukunftsängste: Der Nachkriegsboom war zu Ende, die erste Rezession setzte ein. Es kam zu politischen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Rückschlägen („Deutscher Herbst“, „Ölkrise“).

 

Reform und Resignation bis hin zu aufkeimendem Antimodernismus sind Schlüsselbegriffe, mit denen der ambivalente Charakter der 1970er Jahre als Leitmotiv für die Ausstellung herausgearbeitet werden soll. Die Ausstellung will zeigen, wie und unter welchen Bedingungen sich das Leben in Kiel veränderte, nachdem die Aufbruchstimmung der späten Sechzigerjahre abebbte.

 

Wichtige, auch bewegte Bilder (TV wurde Leitmedium und der kritische „neue deutsche Film“ kam in die Kinos) und Ereignisse führen atmosphärisch (Inszenierung zeittypischer Wohnungseinrichtung), aber auch mit systematischen Basisinformationen in die inzwischen mit historiografischer Distanz analysierbare Dekade ein.

 

Entsprechend vielfältig ist die Exponatauswahl: Kleidung, Modeartikel und Einrichtungsgegenstände, Plakate, Fotos und Dokumente etwa aus der Flugblattsammlung des Stadtarchivs oder Gemälde, die die künstlerische Auseinandersetzung mit der Epoche dokumentieren. Die Ausstellung richtet sich an ältere und jüngere Gäste und möchte sowohl Erinnerung (und entsprechenden Austausch darüber) als auch historische Differenzerfahrung (Staunen) ermöglichen. Damit regt sie zum Nachdenken über zentrale Themen der Gegenwart an. Eine ausstellungsbegleitende Informationsbroschüre soll die wichtigsten Informationen zusammenfassen.

 

 

„Kieler Fotografendynastie Renard“

 

Vom 27. September 2020 bis zum 11. April 2021 folgt eine Sonderausstellung zur „Kieler Fotografendynastie Renard“. Das Stadt- und Schifffahrtsmuseum konnte mit Hilfe seines Förderkreises einen Vorlass  aus der Familie Renard an historischen Dokumenten, Bildern und vor allem eine umfangreiche Sammlung an Kameras und fotografischem Gerät erwerben.

 

Es handelt sich um das heute älteste noch betriebene Fotogeschäft der Welt, das 1847 – nur wenige Jahre nach der Erfindung der Fotografie – von Gregorius Renard in Kiel gegründet wurde und bis 2008 in Händen der Familie Renard war.

 

In diesen gut 160 Jahren und fünf Fotografengenerationen entstanden viele tausend Bilder: Stadtansichten von Kiel, Marinefotos, Porträts oder Ereignisfotos, die nun in einer Auswahl von etwa 200 Bildern im Warleberger Hof präsentiert werden sollen. Sie spiegeln die wichtigsten Epochen der jüngeren Stadtgeschichte wider – darunter auch Ereignisse von internationaler Bedeutung wie Kaiserbesuche, Revolution oder olympische Wettbewerbe. Die Fotografen belieferten auch die überregionale Presse mit Bildmaterial. Gleichzeitig wird die fototechnische Entwicklung der Zeit anhand von etwa 50 historischen Kameras und Geräten der Atelier- und Laborausstattung dokumentiert. Besonders faszinierend sind die seltenen Daguerreotypien der 1850er Jahre, die als Vorläufer der Fotografie gelten.

 

 

„Impressionisten an der Kieler Förde“ (Arbeitstitel)

 

Den Abschluss des Jahresprogramms 2020 bildet am 13. Dezember die Eröffnung der Ausstellung unter dem Arbeitstitel „Impressionisten an der Kieler Förde“. Sie wird bis zum 11. April 2021 im Obergeschoss des Warleberger Hofes gezeigt. Nach dem großen Erfolg der Gemälde-Ausstellung „Sommer an der Förde“ im letzten Jahr soll wieder eine regional gebundene Kunstausstellung folgen, die sich diesmal schwerpunktmäßig mit der impressionistischen Malerei in und um Kiel befasst.

 

Die landschaftlich schöne Lage am Wasser lockte um 1900 etliche nicht nur hiesige Freilichtmaler an die Förde, die oftmals in Paris oder anderen führenden Kunsthochschulen die impressionistische Kunstauffassung kennen gelernt hatten. Dazu zählten Hans Olde, Georg Burmester, Fritz Stoltenberg (beide betreiben in Kiel eine Malschule), Carl Arp oder Friedrich Missfeldt, Julius Fürst und Ernst Eitner sowie ihre Gäste, Schülerinnen und Schüler. Sie alle hinterließen Bilder mit faszinierendem Licht- und Farbspiel, die sie direkt in der Natur malten.

 

Ihre Motive waren vor allem Landschaften an der Förde – der Strand ebenso wie die ländliche Umgebung vor allem in der Probstei – sowie einige Stadtansichten Kiels. Neben dem Eigenbestand aus der Museumssammlung will sich das Stadtmuseum auch um Leihgaben bemühen, um das bereits bekannte Spektrum zu erweitern.

 

 

 

Begleitendes Veranstaltungsprogramm

 

Die Ausstellungsarbeit in den Museen wird auch in diesem Jahr von

einem vielfältigen und reichhaltigen Veranstaltungsprogramm begleitet.

Folgende Termine stehen bereits fest (Auswahl):

 

28. Februar und 29. Februar: Programm zum Kieler Umschlag

17. Mai: Internationaler Museumstag

2. Juli bis 6. August: Kinderferienprogramm (Schifffahrtsmuseum Fischhalle)

28. August: Museumsnacht

13. September: Tag des offenen Denkmals

18. Oktober: Museen-am-Meer-Tag

 

 

 

Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseum

Twitter: @StadtKulturKiel

 

 

Stadtmuseum Warleberger Hof

Dänische Straße 19

24103 Kiel

Telefon 0431/901-3425

 

Öffnungszeiten:

Dienstag und Mittwoch, Freitag bis Sonntag: 10 bis 18 Uhr

Donnerstag: 10 bis 20 Uhr

Eintritt frei

 

Führungen:

Öffentliche Führungen: sonntags 11.30 Uhr und 15.30 Uhr

(Teilnahme: ein Euro)

Gruppenführungen nach Vereinbarung, Telefon 0431/901-3425

 

 

 

Ausstellungsprogramm 2020:

 

bis 13. September

Die Kieler Holstenbrücke. Die Geschichte eines innerstädtischen Areals im Spannungsfeld der Stadtgestaltung von den Anfängen bis heute

 

9. Februar bis 8. Juni

Luftkrieg und „Heimatfront“ – Kriegserleben in der NS-Gesellschaft in Kiel 1939-1945

 

19. Juni bis 22. November

Die 1970er Jahre – Zeit der Ernüchterung

 

27. September 2020 bis 11. April 2021

Kieler Fotografendynastie Renard

 

13. Dezember bis 11. April 2021

Impressionisten an der Kieler Förde (Arbeitstitel)

 

 

 

Schifffahrtsmuseum Fischhalle (derzeit geschlossen; Eröffnung: 15. März)

Wall 65

24103 Kiel

Telefon 0431/901-3428

 

Öffnungszeiten:

Dienstag und Mittwoch, Freitag bis Sonntag: 10 bis 18 Uhr

Donnerstag: 10 bis 20 Uhr

Eintritt frei

 

 

 

Museumsbrücke Seegarten (15. April bis 14. Oktober)

Wall 65

24103 Kiel

Telefon 0431/901-3428

 

Öffnungszeiten:

Dienstag bis Sonntag: 10 bis 18 Uhr

 

 

 

Industriemuseum Howaldtsche Metallgießerei

Grenzstraße 1

24149 Kiel

Telefon 0151-146 697 16

E-Mail: metallgiesserei@kiel.de

 

Datum der Veröffentlichung: 16.01.2020
Beitragsverfasser: Catharina Fehrendt-Lorenzen, Landeshauptstadt Kiel, Pressereferat
Weblink: http://www.kiel.de

Verwandte Beiträge

Zur Übersicht
nach oben