Zweite Karriere

Sie sind Mutter und wollen wieder arbeiten gehen? Aber Sie haben Angst, zu viel verpasst zu haben? Nur Mut! So gelingt der Weg zurück ins Berufsleben.

 

Gerade als Daniela K. den zweiten Geburtstag ihrer zweiten Tochter vorbereitet, findet sie durch eine Handynachricht heraus, dass ihr Mann eine Affäre hat. Sie trennt sich und möchte sich auch finanziell unabhängig von ihm machen. Eigentlich wollte sie erst nach drei Jahren wieder in ihren alten Job als Grafikerin zurück. Ihre Stelle ist noch vergeben. Dann muss eben ein anderer Arbeitgeber her, sagt sie sich. Voller Elan stürzt sie sich ins Bewerbungen Schreiben. Anfangs kommt eine Absage nach der anderen. Denken Sie auch, Sie haben sowieso keine Chance auf einen Wiedereinstieg in den Beruf? Und fühlen sich jetzt schon wie eine schlechte Mutter?

Die Zahlen sprechen eine andere Sprache. Laut Statistischem Bundesamt arbeitet über die Hälfte der Frauen mit ein oder zwei Kindern. Der Anteil der berufstätigen Frauen mit drei oder mehr Kindern liegt immerhin noch bei rund 45 Prozent. Die meisten von ihnen in Teilzeitberufen. Das Motto „voll oder gar nicht“ gilt schon lange nicht mehr. Es gibt viele alternative Lösungen und immer mehr Unternehmen, die offen dafür sind. Vom Minijob zum Eingewöhnen über Jobsharing bis hin zur freien Mitarbeiterin und zur selbstständigen Unternehmerin: Gestalten Sie Ihr Berufsleben so, dass Ihre „Work-Life-Family-Balance“ stimmt.

 

Sie sind keine Rabenmutter

Maria S. beispielsweise lässt ihre Söhne bereits mit zwei beziehungsweise einem halben Jahr die Kinderkrippe besuchen. Der Vollzeit-Verdienst der 34-Jährigen wird gebraucht, weil ihr Mann ein Aufbaustudium absolviert. Großeltern in der Nähe fehlen. Rabenmuttergefühle nagen anfangs stark an ihr, doch beide Jungs fühlen sich im Kreis der anderen Kinder pudelwohl. „All die anderen Kinder, so viele Spiele und Aktivitäten – das könnten wir zu Hause gar nicht leisten“, sagt sie heute und lacht.

Experten wissen: Täglich etwa eine halbe Stunde bewusst verbrachte Zeit mit Ihren Kindern sind besser als fünf Stunden, in denen Sie gestresst und nicht bei der Sache sind. Wenn Sie selbstbewusst und glücklich mitten im Leben stehen, wird sich Ihre Zufriedenheit automatisch auch auf Ihre Kinder übertragen.

Je schneller eine Frau nach der Geburt ihrer Kinder wieder anfängt zu arbeiten, desto besser und einfacher – darin sind sich die Experten zunächst einmal einig. Das heißt aber nicht, dass andere Wege nicht auch passen können. Der perfekte Zeitpunkt ist sehr individuell und unterschiedlich.

 

Sie sind nicht allein

Bevor Sie sich an die konkrete Jobsuche machen: Klären Sie in Ruhe die Kinderbetreuungssituation und geben Sie sich und Ihren Lieben Zeit zur Eingewöhnung. Erst wenn sich Ihr Kind bei der Erzieherin, der Tagesmutter oder der Oma sichtlich wohlfühlt, können Sie sich entspannter Ihrem beruflichen Neuanfang widmen. Sie müssen nicht alles alleine stemmen. Kann Ihr Partner vielleicht noch zwei Monate Elternzeit nehmen oder beruflich kürzer treten, während Sie sich in einen neuen Job einarbeiten? Lösen Sie sich in Ihrer Doppelrolle als Mutter und Berufstätige von zu hohen Ansprüchen an sich selbst – in beiden Bereichen! Bei Daniela K. springt die Großmutter ein und betreut die jüngste Tochter, bis sie alt genug für den Kindergarten ist. Sie fühlen sich nicht mehr up-to-date? In Ihrem gelernten Beruf oder in Ihrer Fachrichtung sieht es auf dem Arbeitsmarkt derzeit mau aus? Oder Ihr ursprünglicher Beruf ist nicht familienfreundlich genug?

 

Stärken Sie Ihre Kompetenzen

Knüpfen Sie an Ihre Kompetenzen an, und bilden Sie sich weiter. Christa W. hat nach dem dritten Kind eine lange Auszeit genommen. Der jüngste Sohn kommt gerade aufs Gymnasium. Und nun, mit 45 Jahren, hat auch sie Lust, wieder mehr für ihren Kopf zu tun. Sie hat früher als Sekretärin gearbeitet, und fürchtet: „Word, Excel, Internet – alles Fremdwörter für mich. Als Sekretärin bin ich doch nichts mehr wert.“ Sie erkundigt sich und bekommt von der Arbeitsagentur eine Weiterbildung genehmigt. Sie tankt schnell Selbstbewusstsein. „Alles keine Hexerei!“, weiß sie heute. Noch wichtiger als der Computer seien nach wie vor Zuverlässigkeit, Organisationstalent und Freundlichkeit. Und diese Kompetenzen hat sie gerade während ihrer langen Familienpause fleißig trainiert, unter anderem als ehrenamtliche Helferin im Sportverein und bei der Elternarbeit an der Schule.

Auch Daniela K. bleibt hartnäckig und bekommt nach drei Monaten Bewerbungsmarathon einen 15-Stunden-Job als Medienallrounderin in einer Agentur. „Als Grafikerin bin ich immer up-to-date geblieben. Doch dass ich auch Texte schreiben sollte, war mir anfangs nicht geheuer.“ Doch sie lernt schnell, behält immer den Überblick. Und sie zieht aufgrund ihrer guten Arbeit sogar neue Kunden an Land. Ihr Chef bietet ihr schnell einen Vollzeitjob an. „Multitasking ist heute im Arbeitsleben sehr gefragt“, lacht sie. „Und das habe ich als alleinerziehende Mama echt drauf!“

Maria S., Christa W. und Daniela K. meistern ihre Doppelrolle und haben sich selbst nicht in die Schublade „nur Mutti” gesteckt. Der Weg dahin ist für die wenigsten ganz leicht und erfordert immer Durchhaltevermögen und Kompromisse. Doch der Wiedereinstieg in den Job zahlt sich aus: für Ihren Kopf, den Familiengeldbeutel und Ihr Selbstwertgefühl.

 

Bildquellen:

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-Peter Atkins/fotolia.com

 

Datum der Veröffentlichung: 20.08.2015
Beitragsverfasser: active woman

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