Energiesparendes Sanieren und Bauen in Aachen

61 III. Haustechnik Dezentrale Systeme sind flexibel und einzeln einsetzbar. Besonders belastete Räume wie ein fensterloses Bad, ein Schlafzimmer an der lauten Straße oder ein Wohnraum im feuchtegefährdeten Souterrain können auf diese Weise bedarfs- gerecht und komfortabel be- und entlüftet werden. Für eine ganze Wohnung oder ein ganzes Gebäude kann es ebenso eine gute Lösung sein: Rohrleitungen oder Kanäle sind nicht notwendig, sondern lediglich ein Durchbruch durch die Außenwand (Kernbohrung) und ein Stromanschluss pro Raum. Daher ist auch ein nachträglicher Einbau mit wenig Aufwand möglich. Zentrale Lüftungsanlagen Die Be- und Entlüftung aller Räume eines Gebäudes wird von einem zentralen Gerät geregelt. Die Räume sind über Lüftungskanäle mit dem Gerät verbunden. Dabei führt jeweils ein Kanal die Frischluft zu und ein anderer transportiert die verbrauchte Luft ab. Abhängig vom Standort der Lüftungszentrale liegen die Öffnungen in der Dachfläche oder Außenwand. Die Frischluft kann auch durch eine Leitung in der Erde ins Gebäude geführt werden, sodass sie im Sommer im Erdreich abgekühlt und imWinter vorgewärmt wird. Für zentrale Anlagen gibt es die Möglichkeit der Wärmerückgewinnung über einen Gegenstromwärmetauscher (Luft-Luft-Wärmetauscher) oder einen Erdwärmetauscher. Zusätzlich kann die Wärme der verbrauchten Luft auch eine Luftwärmepumpe (s.a. Kapitel III.4) unterstützen. Eine Mischform aus dezentralem und zentralem System ist die zentrale Abluftanlage mit dezentraler Zuluft: Hier gibt es mehrere Außenluftöffnungen für die Frischluft und einen zentralen Abluftschacht oder Abluftkanal, der zum Lüftungsgerät führt. Zentrale Systeme sind in Bezug auf Installation, Anschaffungskosten undWartung aufwändiger als dezentrale. Sie werden in Neubauten oder komplett sanierten Bestandsbauten eingesetzt. Zentrale Lüftungsanlagen versorgen das ganze Gebäude bedarfsgerecht und komfortabel und minimieren zudem Heizenergieverluste. Es sind Kombinationen mit verschiedenen Heiztechniken möglich (v. a. Wärmepumpe). In besonders gut gedämmten Gebäuden (zum Beispiel Passivhäusern) kann die zurückgewonnene Wärme aus der Lüftungsanlage sogar den Heizkessel ersetzen. Voraussetzungen für einen optimalen Betrieb von Lüftungsanlagen Wie bei allen haustechnischen Anlagen sind die fachgerechte Planung und Umsetzung entscheidend für den optimalen Betrieb. Dazu gehören vor allem… • • die richtige Dimensionierung (Luftströme, Ventilatorleistung, Kanalquerschnitte etc.) • • Lage und Art der Zu- und Abluftöffnungen (Betrieb ohne spürbare Luftbewegungen oder gar „Zug“) • • Schallschutz (v. a. vor Geräuschen von Ventilator oder Luftströmen) • • Sicherheit: Lüftungsanlagen erzeugen beim Absaugen der verbrauchten Luft Unterdruck. Dieser darf bei gleichzeitigem Betrieb von raumluftabhängigen Einzelfeuerstätten, wie zum Beispiel Gasthermen oder Kaminöfen, nicht zu hoch sein. Eine Abstimmung mit dem Schornsteinfegerbetrieb ist bereits in der Planungsphase sinnvoll. • • Luftdichtheit des Gebäudes: Diese ist eine zwingende Voraussetzung für den Betrieb von zentralen Lüftungsanlagen. Nachträgliche Maßnahmen am Gebäude – wie ein Wanddurchbruch oder eine neue Dachgaube – sollten die Luftdichtheit nicht beeinträchtigen. Darüber hinaus sollten folgende Aspekte berücksichtigt werden: • • Inspektion und Wartung: Alle Bestandteile der Anlage müssen regelmäßig geprüft und gewartet werden (diese Pflicht ist u. a. im Gebäudeenergiegesetz verankert). Der regelmäßige Austausch bzw. die Reinigung der Filter ist dabei ein wichtiger Bestandteil. • • Informieren der Nutzenden: Nur wer Funktion und Betriebsweise kennt und versteht, kann die Anlage sinnvoll und sparsam nutzen.

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