Interview mit Claudia Meimbresse 3 Interview mit Claudia Meimbresse Frau Meimbresse, warum sollte sich eine Schülerin oder ein Schüler für eine Ausbildung im Handwerk entscheiden? Es gibt etwas, was das Handwerk und seine Betriebe auszeichnet und was es auch ganz klar von der Industrie unterscheidet: Das ist der Zusammenhalt im Team. In den meisten Handwerksbetrieben arbeitet unserer Erfahrung nach unverändert eine überschaubare Anzahl an Mitarbeitenden. Jeder kennt jeden, die Stimmung ist oft sehr familiär. Diese enge Zusammenarbeit im Team und das persönliche Miteinander machen die Arbeit in einem Handwerksbetrieb so besonders. Und was spricht für das Handwerk auf die konkrete Arbeit bezogen? Da muss man nur mal in eine Tischlerwerkstatt gehen: Da riecht es nach Holz, da stehen die verschiedensten Holzarten im Lager, da wird gesägt, gehobelt und kreativ an individuellen Lösungen gearbeitet. Oder in eine Bäckerei, wenn morgens gebacken wird – der Duft und Geschmack der Zutaten, die verschiedenen Brote, Kuchen, Gebäcksorten … Das ist alles sehr greifbar und konkret. Da wird auch noch – natürlich unterstützt durch moderne Technik – mit den Händen gearbeitet. Kundenwünsche werden individuell umgesetzt, ob Hochzeitstorte, behindertengerechte Dusche oder sechseckige Fenster, das macht ja auch Spaß! Und man sieht am Ende des Tages immer, was man gemacht hat. Viele junge Leute denken vielleicht, dass akademische Berufe mehr Zukunftsperspektiven bieten. Was sagen Sie dazu? Das ist ein weit verbreiteter Irrtum. Im Handwerk gibt es nicht nur hervorragende Karrierechancen, sondern auch eine hohe Arbeitsplatzsicherheit. Handwerker werden immer gebraucht. Außerdem gibt es viele Weiterbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten, von der Meisterqualifikation bis hin zur Möglichkeit, ein eigenes Unternehmen zu gründen. Das Handwerk ist genauso zukunftssicher wie viele akademische Berufe – und in manchen Bereichen sogar krisensicherer. Gibt es bestimmte Eigenschaften, die man für eine Ausbildung im Handwerk mitbringen sollte? Wer sich fürs Handwerk entscheidet, sollte Freude daran haben, praktisch zu arbeiten und Probleme zu lösen. Kreativität ist auch wichtig ebenso wie Teamarbeit und Zuverlässigkeit. Viele Berufe erfordern auch technisches Verständnis. Es ist also bei über 130 Ausbildungsberufen für jeden etwas dabei. Entscheidend ist, dass man mit Begeisterung bei der Sache ist. Wie sieht es mit der Vergütung in der Ausbildung und später im Beruf aus? Die Vergütung während der Ausbildung kann je nach Beruf und Region unterschiedlich sein, aber sie ist im Handwerk oft besser, als viele denken. Nach der Ausbildung stehen Handwerkerinnen und Handwerkern viele Möglichkeiten offen, ihr Gehalt durch Weiterbildungen oder spezielle Kenntnisse zu steigern. Zudem sind Handwerker sehr gefragt, was sich positiv auf die Löhne auswirken kann. Was raten Sie jungen Menschen bei der Berufswahl? Wie finde ich heutzutage „meinen“ passenden Ausbildungsberuf? Hört bei der Berufswahl auf eure Interessen und Neigungen. Tauscht euch mit anderen – Freunden, Eltern oder Lehrern – aus und probiert euch am Ende aus. Ihr arbeitet gerne mit Holz? Dann sucht euch einen Tischler- oder Zimmereibetrieb in der Nähe und fragt, ob ihr für ein Praktikum vorbeikommen könnt. Nutzt auch die Chancen, die euch Ausbildungsmessen oder Azubi-Speeddatings bieten, sprecht mit anderen Azubis und seid offen. Claudia Meimbresse Leiterin Berufliche Bildung Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade © capella9 - stock.adobe.com © Fotostudio Sascha Gramann
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