8 MÜHLHAUSEN ... BEI UNS IM KRAICHGAU Am 19. April 1525 schlossen sich auch viele Rettigheimer dem Protestzug der Bauern gegen die Obrigkeit an, brachen in Richtung Letzenberg auf, stürmten den bischöflichen Zehntkeller in Malsch und plünderten ihn aus. Auch sie mussten nach der Niederschlagung des Aufstands einen Unterwerfungsvertrag unterzeichnen und zwei Bürger als Geißeln abstellen. Am 8. Januar 1546 kam es zu einem bedeutenden Wechsel in der Ortsherrschaft. Die Bruchsaler Chorherren verkauften Rettigheim für 2.300 Gulden an den Adligen Konrad von Helmstadt, der den Ort aber umgehend an den Fürstbischof von Speyer weiter verkaufte. Im Gegensatz zu Mühlhausen zogen im Dreißigjährigen Krieg die Soldaten Tillys und Mansfelds durch Rettigheim und ließen eine Spur des Todes zurück, sodass 1644 noch sieben Männer mit ihren Familien im Ort lebten. Nach den Eroberungskriegen durch Napoleon und der Neugestaltung der europäischen Landkarte kam Rettigheim 1803 zum Großherzogtum Baden. Im Jahre 1832 wurden nach einer Verwaltungsreform in Baden erstmals Bürgermeister und Gemeinderäte gewählt. Bereits auf einem Gerichtssiegel von 1746 erschien unser Ortswappen, ein dreiblättriges Kleeblatt, das aus einem Herzen hervor wächst. Ein erstes Rathaus in der Ortsmitte, als Fachwerkhaus gestaltet, wird 1784 erwähnt. Aus dieser Zeit sind noch einige wenige Fachwerkhäuser erhalten. Eine alte Scheune – erbaut um 1550 – wurde wieder hergestellt und bildet inzwischen eine Attraktion in unserer Dorfmitte. Historische Scheune Rettigheim © Gemeinde Mühlhausen Kirchlich war unser Rettigheim bis 1870 Filialgemeinde von Malsch, und die Gläubigen mussten dort die Gottesdienste besuchen, obwohl seit dem Spätmittelalter eine Kapelle am Ort stand. In den Jahren 1823/24 wurde die Kapelle durch eine geräumige Kirche ersetzt und 1952/53 um ein Querschiff mit Chorraum erweitert. Auch schulisch war Malsch bis 1720 für unseren Ort zuständig und bekam dann einen eigenen Schulmeister. Neue Schulgebäude wurden 1809 und 1966 errichtet. Wie alle Dörfer in der Umgebung war Rettigheim landwirtschaftlich geprägt. Getreide- und Weinanbau waren wichtige Ertragsquellen, ab 1870 wurde in heimischen Zigarrenfabriken Tabak verarbeitet. In den beiden Weltkriegen hatte auch unser Dorf viele Gefallene und Vermisste zu beklagen. Die Heimatvertriebenen und Flüchtlinge ließen die Bevölkerung bis 1950 auf 1.200 Einwohner ansteigen. Seit dem 1. Januar 1972 ist Rettigheim ein Ortsteil der Gemeinde Mühlhausen. Durch die Erschließung von neuem Bauland veränderte sich das Gesicht des ursprünglichen Straßendorfes, dessen Mittelpunkt die Kirche und das 1995 eingeweihte Gemeindezentrum St. Nikolaus ist, nachhaltig. Mit großem ehrenamtlichen Aufwand wurde die historische alte Scheune vom Heimatverein renoviert. Der Heimatverein befasste sich schon seit den 1990er Jahren mit der unter Denkmalschutz stehenden Scheune und beendete die Renovierungsarbeiten im Jahr 2012. Auch wurde ein neuer Kindergarten benötigt; der Bau wurde 2016 begonnen und 2017 öffnete das Kinderhaus Arche seine Türen. Im Jahr 2019 wurde Rettigheim in das Landessanierungsprogramm aufgenommen. Das Gebiet umfasst im Wesentlichen die Ortsmitte, Östringer Straße, Friedhofstraße, Bergstraße und Gartenstraße. Mit dem Sanierungsgebiet verfolgt die Gemeinde das Ziel, die Wohn- und Aufenthaltsqualität deutlich zu erhöhen und den Wohnraum attraktiver zu gestalten. Zudem wurde im selben Jahr vom Gemeinderat der Neubau des Feuerwehrgerätehauses beschlossen. Der Spatenstich erfolgte im Oktober 2024.
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