9 MÜHLHAUSEN ... BEI UNS IM KRAICHGAU DER ORTSTEIL TAIRNBACH Tairnbach liegt in einem Seitental des Waldangelbachs und zählt an die 1.250 Einwohner. Der Name „Tairn“ stammt aus dem Keltischen und bedeutet „See“ bzw. „Gewässer“. Die Nachsilbe „bach“ dürfte erst in fränkischer Zeit angefügt worden sein. Die Gemarkung liegt auf einem Keuperrücken des westlichen Kraichgaus. Mehrere Quellen speisen den Tairnbach und lieferten früher dem Ort Trinkwasser von bester Qualität. In einer kürzlich wiederentdeckten Urkunde wird dokumentiert, was Friedrich, Graf von Leiningen der Ältere, Friedrich, Graf von Leiningen der Jüngere und seine Frau Ylente von Gulche dem Bischof Gerhard von Speyer am 29. August 1361 als Sicherung verpfändet haben. Neben der Madenburg mit dem gesamten Zubehör, werden auch die gesamten Einkünfte aus 24 Orten – darunter auch Deyernbach (Tairnbach) – verpfändet. Damit enthält dieses im Jahr 2024 entdeckte Schriftstück die erste bislang unbekannte urkundliche Erwähnung des Ortes. „Deiernbach“ war von 1411 – 1682 im Besitz der Herren von Hirschhorn, danach gehörte es deren Erben, den Rittern von Sternenfels. Schon damals stand in der Dorfmitte ein „Herrenhof“. Durch Heirat kam das zum Ritterkanton Odenwald zählende Dorf an das Adelsgeschlecht der Schertel von Burtenbach. Die im 17. Jahrhundert eingewanderten und an der hessischen Bergstraße begüterten Freiherren d’ Outrepont erwarben 1735 unser Dorf und bauten 1736, nachdem sie ihren Namen in Ueberbruck von Rodenstein eingedeutscht hatten, das heute unter Denkmalschutz stehende Barockschloss. Sie erwarben 1740 auch den in der Nähe des Dorfes liegenden Sternweilerhof, der eine eigene Gemarkung besaß. Verschiedene Brunnen und Straßennamen erinnern heute an die Adelsgeschlechter früherer Jahrhunderte. 1805 kam Tairnbach unter badische Landeshoheit, gehörte aber weiterhin zum Odenwälder Kreis, ab 1810 zum Amt Eichtersheim. Nach der Ablösung der grundherrlichen Privilegien kam Tairnbach 1813 zum Amt Wiesloch und zusammen mit diesem im Jahre 1938 zum Landkreis Heidelberg. 1975 wurde unser Dorf nach Mühlhausen eingemeindet. Mit dem Verkauf des Schlosses an die Gemeinde im Jahre 1905 ging auch die Sternweiler Gemarkung an Tairnbach über. Bis 1975 diente das Schlossgebäude als Rathaus, dann als Gemeindehaus für Verwaltung, Kirche und Vereine. 2011 wurde das Schlossgebäude gründlich renoviert, saniert und zu einem modernen Bürgerhaus umgestaltet. Es dient der politischen Gemeinde, der evangelischen Kirchengemeinde und den Vereinen als Domizil. Darüber hinaus verfügt das Gebäude jetzt über einen repräsentativen, geräumigen Bürgersaal und ein kleines Heimatmuseum. Wappen am Schloß Tairnbach © H+B Pressebild Pfeifer Platz vor dem Schloß Tairnbach © H+B Pressebild Pfeifer
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