Grundschul-Alltag

Was lernt mein Kind in der ersten Klasse?


Die erste Klasse ist eine besondere Situation. Sie ist ein Übergang vom relativ freien Kindergarten zum täglichen Lernen. Die Kinder müssen sich im Stillsitzen üben und auf die neue Klassengemeinschaft einlassen.

Zuerst einmal lernt Ihr Kind einiges, was Sie auf den ersten Blick gar nicht greifen oder sehen können. Anfangs werden die Schulanfänger und die Lehrkraft vom sozialen Lernen und dem Erlernen von Arbeitstechniken gefordert.

Viele Arbeitstechniken, die grundlegend für das gesamte Lernen und Arbeiten verwandt werden, müssen nun in kleinsten Schritten mit viel Geduld seitens der Lehrkraft mit den Schülern eingeübt werden, zum Beispiel der Umgang mit den Heften und das Ein- und Ausräumen des Schulranzens geübt werden. Manche Kinder brauchen viel Zeit und Geduld, bis sie selbständig ihren Arbeitsplatz aufräumen können.

Diese lebenspraktischen Dinge und das soziale Lernen sind ebenso bedeutsam und wichtig wie der Rahmenplan, in dem geregelt ist, was ein Grundschulkind lernen soll. Dabei sind das erste und zweite Schuljahr als Lehreinheit verstanden. Über Einzelheiten kann Sie am besten die Klassenlehrerin oder der Klassenlehrer informieren.


Der Tagesablauf


Nicht nur in den ersten Wochen nach dem Schulbeginn ist der Mrgenkreis für viele Schulanfänger die erste Orientierung und Sammlung in der Gemeinschaft. Finden sich die Kinder am Morgen zusammen, wird über den Schulweg gesprochen und darüber, was am Vortag in der Schule gewesen ist oder was an diesem Tag auf dem Programm steht. Oft wird ein Begrüßungslied gesungen. Manchmal beginnt die Lehrerin den Tag mit einer Geschichte oder einem Gespräch. Hierbei kann viel Stoff vermittelt werden und die Kinder lernen die nötigen Gesprächsregeln kennen.

Ebenso regelmäßig findet die Kontrolle der Hausaufgaben statt. Diese Kontrolle ist notwendig, um zu sehen, ob die Kinder das Lernziel des Vortages erreicht haben. Sie ist zudem eine gute Gelegenheit, die Kinder zu loben, sie zu unterstützen und Fehler zu korrigieren.

Phasen der starken Anspannung und Konzentration werden anschließend wieder durch Bewegung und Singen ausgeglichen. In einigen Klassen wird verstärkt Wert auf Freiarbeit gelegt. Sie unterscheidet sich vom so genannten Frontalunterricht (bei dem die Lehrkraft vor den Schülern steht bzw. sitzt und diese zuhören) darin, dass individuelle Arbeitsaufgaben in Kleingruppen erarbeitet werden. Hierbei kann ein und derselbe Schulstoff in jeder Gruppe unterschiedlich aufgearbeitet und vertieft werden. Das Ergebnis wird oft allen wieder zugeführt. Diese Art des Lernens hat den Vorteil, dass der Unterricht aufgelockert wird, die Schüler neu motiviert sind, Bewegung entsteht und der Umgang mit den Mitschülern geübt wird. Bei der Freiarbeit lernen die Kinder ihre Mitschüler ganz natürlich im Arbeitsprozess kennen. Außerdem kann die Lehrkraft gezielt auf schwache oder sehr gute Schüler mit ihnen eigens zugedachten Aufgaben eingehen. Sie steht während der gesamten Zeit mit Rat und Hilfe zur Seite. Nicht in allen Klassen wird die Freiarbeit gleichermaßen angewandt, jedoch werden alle Lehrer Elemente der Freiarbeit für die Lebendigkeit ihrer Arbeit mit den Erstklässlern einsetzen.

In vielen Klassenräumen gibt es eine Lese- und Spielecke. Darin befindet sich meistens ein Regal mit Lern- und Gesellschaftsspielen sowie eine kleine Bücherei mit Erstlese- und Bilderbüchern. Hier kann sich jedes Schulkind morgens vor Schulbeginn oder nach Beendigung des Unterrichts, allein oder mit einem Freund zurückziehen und selbst auswählen, was es lesen oder spielen will.

Der Schulalltag wird meist mit einem kurzen Gespräch, einer Verabschiedung und einem Abschiedslied beendet.


Hausaufgaben


Es ist müßig, über Sinn oder Unsinn der Hausaufgaben zu diskutieren. Es gibt keinen Schultyp, in dem auf die Hausaufgabe verzichtet wird. Weder Montessori- noch Waldorf- oder Regelschulen wollen auf die Übung zu Hause verzichten. Deshalb sollten Sie diesen Teil der Schule als unverrückbaren Faktor akzeptieren.

Warum sollen Kinder auch zu Hause für die Schule arbeiten?

Dafür gibt es viele gute Gründe:

  • zu Hause findet das Kind mehr Ruhe zur Arbeit
  • es übt und vertieft das in der Schule Gelernte in einer ander Atmosphäre
  • es arbeitet alleine und lernt dabei, sich seine Arbeit sinnvoll einzuteilen
  • es beginnt, Verantwortung für das eigene Lernen zu übernehmen
  • es gibt sich selbst und der Lehrkraft damit Rückmeldung über sein wissen oder eventuelle Lernprobleme


Wie lange sollte ein Erstklässler für die Hausaufgaben brauchen?

In der ersten Klasse geht man in der Regel davon aus, dass die Schüler circa eine halbe Stunde Arbeitszeit für Hausaufgaben veranschlagen können. Diese Zeitspanne wird am Anfang der Schulzeit oft überschritten, obwohl die Kinder wenig Hausaufgaben zu erledige haben.

Der frisch gebackene Schüler muss in den ersten Wochen noch lernen, sich auf seinen Arbeitsplatz zu konzentrieren und die gestellte Aufgabe ohne Unterbrechungen zügig zu bewältigen. Aufgrund kleiner Pausen wie z.B. kurzer Spielphasen zwischen der Arbeit werden aus einer 15-minütigen Hausaufgabe am Ende schnell 45 Minuten. Vielleicht haben Sie aber auch einen Sohn oder eine Tochter, der/die alles schnell bewältigen möchte und nicht eher ruht, bis alles abgehakt ist. Dann haben Sie wirklich Glück. Diese Kinder werden ganz sicher innerhalb der vorgegebenen halben Stunde bleiben.

Wenn Sie das Gefühl haben, dass dieser Richtwert immer wieder um einiges überschritten wird, schauen Sie sich das Pensum genau an, es ist sehr gut möglich, dass nicht Ihr Kind zu langsam ist, sondern zu viel Hausaufgaben anstehen. Es ist sinnvoll, einmal andere Eltern anzurufen (Telefonliste vom Elternabend) und bei ihnen anzufragen, wie ihre Kinder die Aufgabe bewältigen. Wenn Sie das Gefühl haben, die Mehrheit hat damit Probleme, können Sie dieses Thema in einem Gespräch selbst oder über die Klassenelternsprecher mit der Lehrkraft erörtern.

Wie lernt man, Hausaufgaben zu machen?

Eigentlich wird man als Eltern in diese Materie einfach nur hineingeworfen. Ganz vage kann man sich die eigene Hausaufgabenzeit, manchmal mit Grausen, ins Gedächtnis rufen. Als Erstes müssen Sie zusammen mit Ihrem Kind herausfinden, welche Zeit wohl die passendste in Bezug auf seine Leistungsfähigkeit und Konzentration ist. Eltern hätten die Hausaufgaben am liebsten gleich im Anschluss an die Schule erledigt, denn so kann man für den Rest des Tages etwas planen, unternehmen oder hat einfach nur das herrliche Gefühl, für heute alles erledigt zu haben. Aber nicht für alle Kinder ist dieser Zeitpunkt genau der richtige. Die Erstklässler kommen nach Hause und haben vier bis fünf Schulstunden hinter sich gebracht. Darüber hinaus hatten Sie auch noch wenig Bewegung und haben daher meist überhaupt keine Lust auf Hausaufgaben.

Lassen Sie Ihr Kind über den Zeitpunkt für die Hausaufgaben selbst entscheiden und es ausprobieren. Bei dieser einmal gewählten Uhrzeit sollte es zunächst bleiben und die Arbeit regelmäßig am selben Ort und zur gleichen Zeit ausgeführt werden. Lehrer sagen, dass Kinder ihre Aufgaben möglichst bald selbständig ausführen sollten. Doch in der Praxis sind Kinder anfangs oft unsicher. In der ersten Klasse wünschen sich Eltern und Kinder einen guten Start in dieses neue Aufgabenfeld. Deshalb empfiehlt es sich, das Hausaufgabenmachen regelrecht einzuführen.

Am besten erzählt das Kind zuerst, was es heute alles zu erledigen hat. In den ersten Tagen oder Wochen kann man bei unsicheren Kindern noch etwas helfen, sollte es danach aber immer weiter in das eigenständige Arbeiten entlassen. Sie sollten Ihrem Kind zeigen, dass es selbst überlegen und handeln soll. Signalisieren Sie ihm Hilfe, wenn es wirklich nicht mehr weiterkommt. Diese wird dann sinnvoll, wenn man sich die Aufgabenstellung und Denkschritte vom Kind erklären lässt, um dann vorsichtige Einwürfe zu machen, die den Erstklässler selbst wieder auf die Spur bringen. Nur Lösungen aufzuzeigen würde die Kinder in die Unselbständigkeit führen. Sie würden sich auf ihren „Komplizen“ verlassen. Anschließend soll das Kind wieder alleine weiterarbeiten. Wer von Anfang an neben seinem Kind sitzt, wird dies aus gemeinsamer Gewohnheit noch in der vierten Klasse tun!

Beachten Sie, dass jeder Schüler seine eigene Arbeitsweise entwickelt und sein individuelles Tempo hat. Vergleiche mit anderen Kindern erhöhen nur den Druck auf Sie und Ihr Kind.

Manchmal erinnern sich Kinder gerade bei den Hausaufgaben an Probleme mit Mitschülern oder ärgern sich über die Lehrkraft oder die „vielen“ Hausaufgaben. In einem solchen Moment braucht Ihr Kind Ihre Hilfe und Ihr Mitgefühl. An wen, wenn nicht an Sie, soll sich das Kind mit seiner Wut, seiner Enttäuschung oder dem Ärger wenden? Manche Kinder müssen sich nur einmal „ausmotzen“. Hinter anderen Dingen verbergen sich wirkliche Probleme und Sorgen, die man miteinander lösen kann, auch wenn das Empfinden Ihres Kindes möglicherweise sehr subjektiv ist. Wenn Sie Ihr Kind ernst nehmen, verarbeitet es das Angestaute und kann am nächsten Tag wieder neu anfangen.


Mittagsbetreuung, Schülerhort und Hausaufgabenbetreuung


Wenn Sie berufstätig sind und Ihr Kind bisher bei einer Tagesmutter, Bekannten oder in einer Kindertagesstätte gut versorgt wussten, dann sollten Sie sich auch rechtzeitig Gedanken über die zukünftige Unterbringung Ihres Kindes vor und nach dem Schulbesuch machen.

Für eventuell auftretende Lücken in der Betreuung sollten Sie unbedingt in Ihrer Planung vorgesorgt haben.

Wenn Sie ganztags berufstätig sind, sollten Sie sich frühzeitig um die Betreuung Ihres Kindes während Ihrer Abwesenheit kümmern. Schon bei der Schulanmeldung kann man sich nach Betreuungsangeboten erkundigen. Neben der betreuenden Grundschule gibt es mancherorts auch die Möglichkeit, das Kind in einem Hort unterzubringen. Auch eine Tagesmutter oder stundenweise Betreuung durch die Eltern anderer Kinder sind denkbar.


Lernprobleme


Fast jedes Kind hat auf die eine oder andere Weise Probleme mit Teilbereichen der Schulanforderung. Sei es das hoch motivierte Einzelkind, das die ganze Zeit der Lehrerin ins Wort fällt, der Linkshänder mit anfänglichen Schreibproblemen oder das ruhige Mädchen mit den Rechenschwierigkeiten. Lassen Sie sich auf solche Problemsituationen ohne Ängste ein.

Jedes Kind hat beim Lernen und beim Zurechtfinden mit den neuen Anforderungen des Schulalltags seinen eigenen Rhythmus. Die meisten anfänglichen Probleme lösen sich im Laufe der Zeit von selbst. Bei manchen Kindern geht das vielleicht langsam und kostet viel Kraft, aber wenn die notwendige Ruhe und die Akzeptanz für Ihr Kind mit all seinen individuellen Schwächen vorhanden sind, dann wird sich Ihr Kind langsam aber sicher in seinen Problembereichen verbessern.

Wenn Sie das Gefühl haben, Ihr Kind kommt aus einer Blockade (die eine gewisse, zeitlich begrenzte Dauer hat) auch nach längeren Anstrengungen nicht heraus, dann sollten Sie sich weitere Hilfe suchen. Vielleicht hat es eine Lernblockade, die ohne fremde Hilfe selten zu bewältigen ist.

Wenn Sie annehmen, dass Ihr Kind den Schulanforderungen über einen längeren Zeitraum nicht entsprechen kann und auch schon in seiner bisherigen Entwicklung bestimmte Probleme auftraten (z.B. das Kind das Krabbeln übersprungen hat, spät zu sprechen begonnen hat, sich im Kindergarten schlecht konzentrieren konnte) sollten Sie das Gespräch mit der Lehrkraft suchen. Dabei ist es wichtig, sich vorbehaltlos über die (schulischen) Probleme des Kindes auszutauschen.

Gemeinsam mit der Lehrkraft, den Eltern sowie später mit der entsprechenden Facheinrichtung (z.B. Diagnose- und Förderschulen, ebenso Ergotherapeuten und Motopäden) werden Sie zum Wohle Ihres Kindes sicher einen Weg finden, um ihm die tägliche Lernfrustration zu ersparen. In einer Facheinrichtung wird mit Ihrem Kind seinen Problemen entsprechend individuell gearbeitet und gelernt.

Es gibt viele Möglichkeiten, den Knoten bei einem Kind zu lösen. Einleuchtend erscheint die Methode, Denkprozesse, die für das Kind momentan zu „schwierig“ und abstrakt sind, in Seh-, Hör-, Tast- und Erlebbares umzuwandeln.

Wenn ein Kind Probleme mit dem Addieren von Zahlen hat, dann können zwei große verschiedenfarbige Holzwürfel (in Spielzeugläden erhältlich) dabei helfen, die ganze Sache etwas attraktiver und begreifbarer zu machen.

Helfen können Sie auch, wenn ein Schüler Schwierigkeiten hat, einzelne Buchstaben im Kopf zu behalten. Das kann man mit lustigen Spielen sehr abwechslungsreich üben. Lassen Sie Ihr Kind beispielsweise mit dem Finger einzelne Buchstaben auf Ihren Rücken malen, die Sie dann erraten müssen. Auch Sandpapierbuchstaben, die die Kinder mit den Fingern nachfahren, werden auf einer ganz anderen Ebene erlebt, als wenn sie nur im Lesebuch gesehen werden.

Oft erleichtern sich Schüler ihre Lese- und Schreibprobleme auch, indem sie neue Wörter, Rechenaufgaben oder Buchstaben in bunten, leuchtenden Farben schreiben. Farben ermuntern und motivieren. Das Auge bekommt stärkere Signale.

Datum der Veröffentlichung: 28.02.2013

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