Schulfähigkeit - was bedeutet das?

Was bedeutet Schulfähigkeit?


In der Fachliteratur wird schon seit langem nicht mehr von Schulreife gesprochen, sondern von Schulfähigkeit. Während man früher glaubte, man müsse nur abwarten, bis ein Kind schulreif sei, hat man mittlerweile erkannt, dass das Heranreifen alleine nicht ausreicht, um die Fähigkeiten für einen erfolgreichen Schulstart auszubilden. Denn die Entwicklung vollzieht sich nicht immer in gleichförmigen Zeitabschnitten und Bahnen.

Jedes Kind hat seinen eigenen Rhythmus und besondere Stärken.

Das eine Kind ist z.B. schon sehr weit in der Fähigkeit, sich zu konzentrieren, ein anderes ist Meister in der Körperbeherrschung und kann gut turnen, malen und schneiden. Weil man die Reife eines zukünftigen Schulanfängers aus oben genanntem Grund nicht in Rastern messen kann, wird deshalb vor Schuleintritt bei verschiedenen Gelegenheiten (Anmeldung, Kennenlerntag, schulärztliche Untersuchung, etc.) ermittelt, ob das Kind schulfähig wirkt.


Wann ist Ihr Kind schulfähig?


Während bei den meisten Kindern die Vorfreude überwiegt, stellen sich Eltern nicht selten die Frage, ob Ihr Kind bereits fähig ist, den Schulalltag zu meistern. Doch was entscheidet eigentlich über die Schulfähigkeit? Welche Dinge sollte ein Schulkind beherrschen?


Wie wird Schulfähigkeit festgestellt?


Alle Kinder müssen für den Schulbesuch in der für sie zuständigen Grundschule angemeldet werden. Kinder, die bis zum 30. Juni des laufenden Jahres, das sechste Lebensjahr vollendet haben, gelten als schulpflichtig und müssen zum bekannt gegebenen Termin (September/Oktober) in ihrer Schule vorgestellt werden. Die Anmeldung jüngerer Kinder kann auch noch zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen. Mit einem oder mehreren der folgenden Angebote versuchen sich die Schulen ein Bild von den zukünftigen Schulanfängern zu machen. Anmeldung: Ein erstes Gespräch mit den Kindern soll zeigen, ob sie über ausreichende Kenntnisse der deutschen Sprache verfügen und einen ersten persönlichen Kontakt zwischen Kind und Schule ermöglichen.

Schnuppertag: Die Kinder besuchen mit der Schulkindgruppe ihres Kindergartens die Grundschule und nehmen an Unterricht und Pause teil.

Kennenlerntag: An einem eigens für sie gestalteten Schulvormittag werden die zukünftigen Schulkinder von Lehrkräften betreut, basteln, spielen und singen miteinander. Die Einladung zum Kennenlerntag erfolgt in der Regel über den Kindergarten.


Was ein Schulkind können sollte


Die besten Voraussetzungen für einen erfolgreichen Start haben Kinder, die sich für Ihre Umwelt interessieren und auf die Schule freuen. Folgendes wird außerdem von den Schulkindern erwartet:

Der Schulalltag und seine geistigen Anforderungen:

  • Logisches Denken: Unterschiede und Gemeinsamkeiten erkennen und benennen bzw. umsetzen können, logische Schlüsse ziehen können
  • Konzentration und Merkfähigkeit: sich auf etwas ganz und gar einlassen können, Gehörtes und Gelerntes wiedergeben und verarbeiten
  • Ausdauer, Durchhaltevermögen und Anstrengungsbereitschaft: sich mit einer Arbeit auseinandersetzen, auch wenn es nicht immer leicht fällt
  • Sehen, beobachten, erkennen und verarbeiten: Alle Sinne (sehen, hören, tasten, fühlen, schmecken) sind nötig, um aktives Lernen in der Schule zu bewältigen; es ist wichtig, dass die Sinne trainiert und gepflegt werden.
  • Sprechen und Sprache: Fast die gesamte Kommunikation und Wissensvermittlung werden größtenteils über die Sprache abgewickelt; Rückmeldungen erfolgen auf gleicher Ebene; Lesen, Schreiben, Mathematik, Sachunterricht usw., alles baut auf Sprache auf; falsches Sprechen wirkt sich auf das Schreibenlernen besonders negativ aus. Zuhören können ist wichtig.
  • Zeitliche Orientierung und Umgang mit Zeit: in der Lage sein, gestellte Aufgaben in einem zugeteilten Zeitraum zu erfüllen und sich selbst die Zeit einzuteilen


Der Schulalltag und seine sozialen Anforderungen:

  • Orientierung: sich zurechtfinden in der großen Gruppe von Gleichaltrigen, von denen die Kinder einige schon kennen, die meisten anderen ihnen jedoch fremd sind
  • Selbstbewusstsein: sich melden, reden und sich etwas zutrauen
  • Kontaktfähigkeit: mit anderen Kindern oder der Lehrerin bzw. dem Lehrer zusammenarbeiten, neue Kontakte knüpfen
  • Gemeinschaftsgefühl: sich in eine (neue) Gruppe von Menschen einfügen und zu ihrem Gepräge beitragen; mitbestimmen, einander helfen und sich verantwortlich fühlen – nicht nur sich selbst sehen
  • motiviert sein: also Interesse haben an Neuem, am Lernen
  • Gruppenregeln einhalten: nicht (alles) im Unterricht sofort laut sagen, andere ausreden lassen, Umgangsformen einhalten usw.


Der Schulalltag und seine körperlichen Anforderungen:

  • Still sitzen können: sich über einen längeren Zeitraum auf ein und demselben Platz kaum bewegen und dazu auch noch lernen müssen
  • Körperbeherrschung: balancieren, verschiedene Formen der Fortbewegung und des Hüpfens (z.B. auf einem Bein, mit geschlossenen Beinen usw). Koordination der verschiedenen Körperfunktionen
  • Fingerfertigkeit: einen Stift richtig halten und damit kleine Striche, Schleifen, Rundungen und über Kreuz zeichnen können; eine Schere richtig halten und mit Papier und Klebstoff umgehen können, später mit Nadel und Faden arbeiten


Der Schulalltag bringt eine weit reichende Lebensumstellung mit sich:

  • abends rechtzeitig und konstant zur selben Uhrzeit ins Bett gehen
  • morgens früh aufstehen
  • sich waschen, anziehen und innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens fertig machen, um pünktlich zur Schule zu kommen
  • den Schulweg selbständig zurücklegen, nach Möglichkeit zu Fuß und allmählich auch ohne Begleitung durch Erwachsene
  • die völlig neuen Pausensituationen bewältigen
  • sich in den Gebäuden und auf dem Schulgelände zurechtfinden
  • sich die Zeit für Hausaufgaben und Spielen (ein-)teilen
  • sich zurechtfinden in den unterschiedlichen Tagesabläufen während der Schultage und der Wochenenden bzw. Ferientage

Datum der Veröffentlichung: 28.02.2013

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